Kein Strategiewechsel
Premiere-Chef wechselt zu Astra

Nur fünf Wochen nach seinem Amtsantritt wechselt der Chef des verlustreichen Bezahlfernsehens Premiere World, Ferdinand Kayser, zur ertragsstarken Luxemburger Satellitenfirma SES. Die Kirch-Gruppe betont trotz des schnellen Abschieds: Bei Premiere steht kein Strategiewechsel an.

DÜSSELDORF. Künftig wird Ferdinand Kayser wieder in seinem Heimatland Luxemburg arbeiten. Der 43-jährige Kirch-Manager verlässt überraschend den defizitären Pay-TV-Sender Premiere World und geht zur Société Européenne des Satellites (SES) Astra. Das börsennotierte Unternehmen SES rückte am Freitag durch die Übernahme des US-Satellitenbetreibers GE Americom zum größten Satellitenbetreiber der Welt auf.

Bei Premiere sorgt der Weggang Kaysers, einer der erfahrensten Manager im deutschen Bezahlfernsehen, für Verunsicherung. Es ist der dritte Chef bei Premiere, der das Handtuch wirft. Sein Vorgänger Manfred Puffer wurde erst im September gefeuert. Markus Tellenbach musste letztes Jahr im Dezember wegen Erfolgslosigkeit den Sender verlassen. "Es entsteht kein Vakuum", beteuerte Unternehmenssprecher Dirk Heerdegen. "Es wird sich nichts an der strategischen Ausrichtung ändern."

Erst vor wenigen Wochen vollzog Kayser mit dem Abschied vom verlustreichen Technik-Geschäft für das digitale Fernsehen einen Strategiewechsel, um die horrenden Verluste von zuletzt 1,6 Mrd. DM jährlich einzudämmen. Premiere will künftig nicht mit Decodern, sondern mit interaktiven Diensten wie Spielen, Merchandising und Teleshopping das lahmende Pay-TV aus den tiefroten Zahlen bringen. Für Leo Kirch kommt der Abschied Kaysers nicht gerade gelegen. Erst letzte Woche hatte sein Partner Rupert Murdoch, der über die BSkyB Germany GmbH mit 22 % an der Kirch & Co. KGaA, Ismaning, beteiligt ist, mit seinem Ausstieg gedroht, wenn die Abonnentenzahlen von derzeit 2,2 Mill. digitalen Kunden nicht bald steigen sollten. Die Kirch-Gruppe müsste dann im Oktober 2002 eine Milliardensumme überweisen. Murdoch hatte für seinen Einstieg bei Premiere 1,5 Mrd. Euro in bar und in Aktien bezahlt. Ursprünglich sollte Premiere bis 2004 rund 4 Mill. Abonnenten erreichen.

Kayser wird noch bis Jahresende die Geschäfte in Unterföhring führen. Danach soll Helmut Stein, derzeit Entwicklungsvorstand bei der Nokia Home Communications, das Amt als Sprecher übernehmen. Er wird dann unterstützt vom langjährigen Premiere-Finanzvorstand Michael Börnicke und Hans Seger (Programm, Marketing und Vertrieb). Doch noch sind nicht alle Details mit Stein geregelt. In der nächsten Woche will Kayser in München die Öffentlichkeit über neue interaktive Dienste im Premiere-Angebot informieren. Unternehmenssprecher Heerdegen spricht von einem "geordneten Rückzug" Kaysers.

Der Wechsel des gebürtigen Luxemburgers in sein Heimatland hat für die Kirch-Gruppe nicht nur Nachteile. Der designierte Astra-Vorstandschef könnte sich schon bald als gefragter Partner für den Münchner Medienkonzern erweisen. "Es gibt viele Bereiche einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Premiere und SES", heißt es in München. Für Premiere wäre es nämlich von strategischem Interesse, den digitalen Satellitenempfang in Deutschland stärker zu fördern. Damit würde das Bezahlfernsehen unabhängiger von den privaten Kabelnetzbetreibern, und Kirch könnte somit die Stellung von John Malone und seiner Liberty Media entscheidend schwächen. Schon an diesem Donnerstag wollen sich Leo Kirch und John Malone in Berlin treffen, um über die neue Marktsituation auf dem größten Medienmarkt Europas zu sprechen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%