"Kein Strategiewechsel"
Webmiles stellt Dienst in Schweden und den Niederlanden ein

Nur acht Monate nach dem Start zieht sich das Münchner Internet-Unternehmen wieder aus Skandinavien und den Niederlanden zurück. Die Märkte hätten die Erwartungen nicht erfüllt, sagte Mitbegründer Dominik von Ribbentrop im Gespräch mit Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die Internet-Firma Webmiles AG hat bei der Internationalisierung ihres Geschäfts einen Rückschlag erlitten. Kurz vor Weihnachten stellte das Münchner Unternehmen heimlich, still und leise seine Aktivitäten in Schweden ein. Auch das gleichzeitig im April dieses Jahres eröffnete Büro in den Niederlanden wurde inzwischen geschlossen. Das bestätigte am Mittwoch Webmiles-Mitbegründer und Finanzvorstand Dominik von Ribbentrop auf Anfrage von Handelsblatt.com. Die Schließung sei in aller Stille erfolgt, um den Mitarbeitern nicht die Weihnachtsstimmung zu verderben. Webmiles bietet eine Art elektronische Rabattmarke für Kunden von Online-Shops an. Schweden gilt als Vorzeigeland in Sachen E-Commerce.

"Es hat sich gezeigt, dass der schwedische Markt unter Kosten-Nutzen-Aspekten nicht tragfähig ist", begründete von Ribbentrop die Entscheidung. Das gleiche gelte für den niederländischen Markt. Dabei handele es sich aber nicht um eine große Sache, versuchte der Webmiles-Manager zu beschwichtigen. "Wir hatten in Stockholm ein Team von zwei Leuten, die sich den Markt angeschaut und die Chancen ausgelotet haben." Sowohl das Umsatzpotenzial wie auch die Zahl der Kunden hätten die Erwartungen aber nicht erfüllt.

Zwar gebe es in Schweden ein hohe Penetration was die Internet-Nutzung angehe, doch die absolute Zahl der Nutzer sei vergleichseise gering, sagte von Ribbentrop. Zudem sei das Kaufverhalten "noch nicht so entwickelt, wie wir das erhofft hatten". Demgegenüber hätten aber "exorbitant hohe Kosten" gestanden. "Die Probleme auf dem schwedischen Markt waren so nicht abzusehen", betonte der Webmiles-Vorstand. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei der "Späh-Trupp" in den Niederlanden gekommen. Zudem wisse man heute, dass eine "multi-local"-Strategie besser funktioniere als ein einheitliches globales Konzept. "Heute gilt mehr denn je, dass man nicht auf Teufel komm raus, überall dabei sein muss. Wir konzentrieren uns lieber auf wenige gute Märkte." Das missglückte Engagement in Schweden habe das Unternehmen etwa 100 000 bis 200 000 DM gekostet - Mittel, die unter der Rubrik "Lehrgeld" zu verbuchen seien.

Von Ribbentrop will den Ausstieg aber nicht als Strategiewechsel verstanden wissen. "Wir stellen generell jedes Engagement quartalsweise auf den Prüfstand. Und wenn etwas nicht funktioniert, muss man die Konsequenzen ziehen", erläuterte der Finanzvorstand. "Vor allem dann, wenn man wie wir nur einen begrenzten finanziellen Background hat." Mit der Entwicklung auf anderen Auslandsmärkten wie Großbritannien, Spanien, Italien und vor allem Frankreich zeigte er sich dagegen zufrieden. In Frankreich, das seines Erachtens die größten Wachstumschancen bietet, habe Webmiles beispielsweise seit seinem Start Ende 1999 bereits 70 000 Kunden und zahlreiche lokale Partnerunternehmen gewonnen.

Die Webmiles AG ist nach eigenen Angaben Marktführer für Kundenbindungs- und Loyality-Programme in Europa. Seit Oktober hält die Bertelsmann Service Group 70 Prozent der Anteile des Unternehmens, die übrigen 30 Prozent liegen bei den Gründern und Finanzinvestoren. Webmiles zählt mittlerweile mehr als 500 000 registrierte User und beschäftigt 120 Mitarbeiter und will laut früheren Angaben den Umsatz im kommenden Jahr auf 16 Mill. DM verdoppeln. Innerhalb der kommenden zwei Jahre ist der Börsengang geplant.

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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