Kein Tennis möglich
Regenchaos in Wimbledon

Nach drei Stunden bangen Wartens sollten die Spiele am Nachmittag gerade beginnen, als eine neuerliche Regenfront den Himmel über London verfinsterte und es wieder kräftig zu regnen begann.

dpa LONDON. Regen-Wirrwarr in Wimbledon: Auch am Mittwoch hielt das schlechte Wetter die Spieler bei den All England Championships in Atem. Nach drei Stunden bangen Wartens sollten die Spiele am Nachmittag gerade beginnen, als eine neuerliche Regenfront den Himmel über London verfinsterte und es wieder kräftig zu regnen begann. Der "Herr der Planen", Oberschiedsrichter Alan Mills, ließ die Plätze wieder zudecken. Die Viertelfinal-Nachzügler Jennifer Capriati und Amelie Mauresmo auf dem Center Court sowie Serena Williams und Daniela Hantuchova auf Court Nummer eins stürmten unverrichteter Tennis-Dinge zurück in die Umkleide-Kabine. Die quälende Zeit der Tatenlosigkeit, die tags zuvor begonnen hatte, ging in die nächste Runde.

Fast einen Tag lang hatte es ohne Unterlass in London geregnet. Erst wie aus Kübeln, dann zumindest so stark, dass nicht daran zu denken war, die grünen Planen von den Courts zu ziehen. Regenschirme und Blasmusik statt "Henmania" bestimmten das Bild. Der britische Tennis-Held, der im Viertelfinale gegen den Brasilianer Andre Sa spielen sollte, vertrieb sich die Zeit wie seine Kollegen mit Karten spielen, lesen oder Fernseh gucken. "Heute hätten wir in der Mittagszeit prima die Fußball-WM gucken können", ärgerte sich einer der zur Tatenlosigkeit verbannten Akteure.

Pünktlich vor der traditionellen Teezeit machte sich an der Church Road Hoffnung breit. Der Heilige Rasen begann unter den schüchternen Sonnenstrahlen, die den Weg durch den Wolken verhangenen Londoner Himmel fanden, langsam zu trocknen. Die Ränge füllten sich und die Durchsage, dass die Spiele - vorausgesetzt, dass es keinen weiteren Regen mehr gibt - in wenigen Minuten beginnen könnten, wurde mit Riesenjubel quittiert. Doch die Hoffnung trog. Minuten später pfiff Mills alle zurück und schickte die Planenträger auf die Plätze. Im Vorjahr hatte es nach traumhaft sonnigen eineinhalb Wochen am Halbfinal-Freitag der Herren unaufhörlich zu regnen begonnen. Das Semifinale zwischen Goran Ivanisevic und Lokalmatador Tim Henman wurde bei 2:1-Satzführung des Briten unterbrochen und konnte erst am Sonntag beendet werden. Ivanisevic und der Australier Patrick Rafter konnten ihr Endspiel erst am Montag der dritten Woche austragen. Der Kroate wurde bei Sonnenschein als erster Wildcard-Spieler aller Zeiten Sieger der All England Championships. Das Finale zwischen Venus Williams und Justine Henin aus Belgien, welches die Amerikanerin gewann, musste am Sonntag ausgetragen werden.

Sogar bis zum Mittwoch der dritten Woche musste das Programm im Jahre 1922 ausgedehnt werden. Weil es nur auf dem Center Court eine Abdeckplane gab, glichen die übrigen Plätze einem Sumpf. 1972 war der Final-Samstag völlig verregnet, so dass am Sonntag erstmals vier Endspiele stattfanden. Steffi Graf und Boris Becker waren gleich mehrfach Leidtragende der Wetter-Kapriolen in Wimbledon. So auch bei ihrem Doppel-Sieg 1989. Damals wurden Damen- und Herren-Finale erstmals gemeinsam am Sonntag ausgetragen. Steffi Graf schlug am 9. Juli zunächst Martina Navratilova, anschließend gewann Boris Becker gegen Stefan Edberg. Drei Jahre später war es Michael Stich, der in die "Warteschleife" musste: Zwölf Monate nach seinem Einzelsieg gegen Boris Becker gewann der Elmshorner am dritten Montag mit John McEnroe den Titel im Doppel. Gleiches widerfuhr im Jahre 2000 Venus und Serena Williams, die ihren Doppel-Sieg erst in der Turnier-Verlängerung feierten.

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