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Kein "Welcome" für die Schönheitskönigin

Dass sich ein Bürgermeister für eine Entscheidung seiner Mitarbeiter in der Stadtverwaltung öffentlich entschuldigt, kommt nicht alle Tage vor.

Dass sich ein Bürgermeister für eine Entscheidung seiner Mitarbeiter in der Stadtverwaltung öffentlich entschuldigt, kommt nicht alle Tage vor. Aber in Toronto, Kanadas größter Stadt, die sich als weltoffene Metropole und Creme de la Creme des Landes sieht (und daher von vielen, die nicht das Glück haben, "Torontonians" zu sein, verachtet wird), sah sich Bürgermeister David Miller jetzt zu diesem Schritt veranlasst: "Unglücklich und unsinnig" sei die Anordnung der Stadt gewesen: Übereifrige Stadtbeamte hatten einen geplanten Auftritt von Miss Universe auf dem Platz vor dem Rathaus als sexistisch gebrandmarkt und untersagt. Die 23-jährige russischstämmige Kanadierin Natalie Glebova, Bürgerin Torontos und Studentin an der dortigen Ryerson-Universität, durfte nicht unter dem Titel Schönheitskönigin und mit ihren Insignien aufzutreten.

Ende Mai hatte die gebürtige Russin, die als Kind mit ihren Eltern nach Kanada immigrierte, in Thailand den Schönheitswettbewerb Miss Universe gewonnen. Als "schönste Frau der Welt" reist die brünette junge Frau seitdem um den Erdball. Unter anderem setzt sie ihre Popularität für den Kampf gegen HIV/Aids ein. Nun wollte sie in Toronto auftreten, die Stadt, die sie als ihre Heimat bezeichnet. Sie sollte ein von der thailändischen Gemeinde organisiertes Fest auf dem Nathan-Phillips-Platz vor dem Rathaus eröffnen. Das thailändische Konsulat unterstützte die Veranstaltung.

Nach einem Blick in eine städtische Verordnung gab die Verwaltung ein gequältes Ja mit Konditionen, die letztendlich ein Nein bedeuteten. Die Verordnung aus dem Jahr 1990 untersagt Aktivitäten, die sexuelle Klischees fördern und dadurch Frauen oder Männer herabwürdigen. Falls Miss Universe erscheine, dürfe sie dies nur als Privatperson und ganz ohne ihre Insignien, die Schärpe oder Krone. "Thailändische Diplomaten schüttelten nur den Kopf" - und Miss Universe sei der Veranstaltung ferngeblieben, schrieb das Boulevard-Blatt Toronto Sun. Natalie Glebova war enttäuscht. Von der Bevölkerung Torontos habe sie nach ihrer Wahl viel positiven Zuspruch erfahren. Die Entscheidung der Verwaltung könne sie nicht nachvollziehen und in ihrem Auftritt sehe sie kein "sexuelles Klischee".

Als der Bürgermeister davon erfuhr, was es zu spät um die Veranstaltung noch zu retten. Aber David Miller machte deutlich, dass ihm der Eifer seiner Beamten zu weit ging, und er entschuldigte sich bei Natalie Glebova für den Affront. Die Bewohner Torontos seien stolz, dass aus ihrer Stadt eine talentierte junge Frau komme, die einen internationalen Wettbewerb gewonnen habe, ließ der Bürgermeister vernehmen. Und die städtische Verordnung müsse auch nicht verändert werden. Denn diese untersage zwar zu Recht die Veranstaltung von Schönheitswettbewerben auf dem Platz, sie sollte aber nicht dazu genutzt werden, den Auftritt von Natalie Glebova zu verbieten. "Es wird nicht noch einmal geschehen", beteuerte der Bürgermeister.

Zumindest bis zum nächsten Mal, mag man da anfügen. Denn die Interpretation der besagten Vorschrift hatte vor mehr als zehn Jahren bereits einmal fragwürdige Schlagzeilen provoziert. Wie kanadische Medien vermerken, wurde 1992 der kanadischen Rockband Barenaked Ladies, die mittlerweile weltweit populär ist, wegen ihres Namens der Auftritt auf dem Platz untersagt.

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