Kein Zielkonflikt
Issing: Preisstabilität und Wachstum verragen sich

Das Streben einer Notenbank nach Preisstabilität steht nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing nicht im Widerspruch zu den wirtschaftspolitischen Zielen Wachstum und Beschäftigung. Es gebe keinen systematischen Zielkonflikt zwischen Preisstabilität einerseits sowie Wachstum und Beschäftigung andererseits.

Reuters BERLIN. "Vielmehr erleichtert ein inflationsfreies Umfeld das Erreichen der anderen wirtschaftspolitischen Ziele", sagte Issing am Dienstag auf einer Veranstaltung zum 40-jährigen Bestehen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Berlin.

Jeder wirtschaftspolitische Akteur solle sich demnach auf das Ziel konzentrieren, für dessen Realisierung er über die geeigneten Instrumente verfüge, sagte Issing. Für die Notenbank sei dies die Stabilität des Geldwertes, nutzte Issing die Gelegenheit, um an die Grundsätze der Wirtschaftspolitik zu erinnern. Auf die aktuelle Diskussion in der Europäischen Zentralbank (EZB) über ihre geldpolitische Strategie ging der EZB-Chefvolkswirt nicht ein. Grundsätzlich bekräftigte Issing jedoch, die Geldpolitik könne kurzfristig zwar Wachstum und Beschäftigung beeinflussen. Doch das Wissen über die genauen Wirkungen geldpolitischer Impulse sei zu begrenzt, um Feinsteuerung der Konjunktur begründen zu können.

Die EZB ist in der letzten Zeit wieder verstärkt unter Druck geraten, der schwachen Konjunktur mit niedrigeren Zinsen auf die Beine zu helfen. Die Notenbank hat seit Beginn der Wirtschaftsflaute 2001 den Leitzins um insgesamt 2,25 %punkte auf 2,50 % reduziert, zuletzt um 25 Basispunkte im März. Zudem fordern manche Volkswirte, die Notenbank solle ihr Stabilitätsziel von einer Inflationsrate unter zwei Prozent anheben, um noch niedrigere Leitzinsen zu ermöglichen.

Die EZB wird das Ergebnis ihrer Strategieüberprüfung, die sie im Dezember angekündigt hatte, voraussichtlich noch im Mai präsentieren. Der EZB-Rat wird das Thema auch auf seiner nächsten Zinssitzung neben der monatlichen Analyse der Zinspolitik besprechen. Analysten erwarten in dieser Woche noch keine Zinssenkung, rechnen mit einem solchen Schritt aber im Juni.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%