Kein Zusammenschluss
Deloitte beendet Gespräche mit Andersen

Die angeschlagene Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Andersen gerät zunehmend unter Druck, nachdem zwei ihrer Konkurrenten einer möglichen Übernahme eine Absage erteilt haben.

Reuters NEW YORK. Nach Ernst & Young zog sich am späten Mittwochabend auch Deloitte Touche Tohmatsu mit dem Hinweis auf ungelöste rechtliche Probleme des ehemaligen Buchprüfers von Enron zurück.

Andersen will einem Zeitungsbericht zufolge kein Schuldeingeständnis wegen der Behinderung der Justiz im Enron-Debakel ablegen. Das habe die Andersen-Geschäftsführung kurz vor Ablauf einer Frist des US-Justizministeriums entschieden, berichtete die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstag unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.

Bis Donnerstag hatte Andersen Zeit, sich für ein Schuldbekenntnis zu entscheiden. Den Enron-Wirtschaftsprüfern droht wegen des Vorwurfs umfangreicher Aktenvernichtung im Zusammenhang mit dem Konkurs des US-Energiehändlers Enron ein strafrechtliches Verfahren.

Nach dem Konkurs des ehemaligen Börsenlieblings Enron Anfang Dezember 2001 kämpft Andersen, die 85 000 Mitarbeiter beschäftigt, ums Überleben. Nach Angaben aus Kreisen führte die Firma unter anderem Übernahmegespräche mit PricewaterhouseCoopers und KPMG. Mittlerweile diskutiere auch die Börsenaufsicht SEC mit den fünf größten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften Krisenpläne für den Fall eines Zusammenbruchs von Andersen, berichtete die Times. Dies sei aus den Verhandlungskreisen bekannt geworden.

Doch rechtliche Probleme erschweren bislang jegliche Übernahmepläne. Ernst & Young hatte am Mittwoch mitgeteilt, so lange Andersen im Zusammenhang mit dessen Prüftätigkeit bei Enron Strafverfahren und Schadenersatzforderungen drohten, werde keine Fusion oder andere Verbindung angestrebt.

Die Zeit werde knapp für die 88 Jahre alte Traditionsfirma, sagten Branchenexperten. Insgesamt 40 Klienten, darunter Schwergewichte wie der Pharmakonzern Merck & Co, haben sich inzwischen von Andersen getrennt.

Andersen soll noch nach Beginn der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Enron Dokumente vernichtet haben. Ehemalige Enron-Investoren fordern sowohl gegen Andersen als auch gegen den US-Energiehändler Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Die Anwälte von Andersen hätten dem Justizministerium in einem in der vergangenen Nacht zugestellten Brief "groben Machtmissbrauch" wegen der Vorwürfe vorgeworfen", berichtete die Times weiter. Überdies sei die Dokumentenvernichtung nach Angaben der Anwälte im vergangenen Jahr weiter verbreitet gewesen, als bislang angenommen. Die Firma hatte zuvor zugegeben, dass im Herbst vergangenen Jahres tausende Enron-Dokumente im Reißwolf gelandet waren.

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