Keine Abfindung an Streubesitzaktionäre
Ringier duldet Kontrolle von Friede Springer

Der Schweizer Ringier-Verlag hat sein Interesse an einer strategischen Partnerschaft mit dem Axel Springer-Verlag nicht aufgegeben, obwohl der Mediengigant nur noch einen Anteil von 29,6 % an Europas größtem Zeitungskonzern erwerben kann.

lip HAMBURG. Die Verlegerwitwe Friede Springer hatte am Mittwoch nur einen Tag nach der Versteigerung von der Deutschen Bank ein Aktienpaket von 10,4 % an Europas größtem Zeitungskonzern gekauft. Sie kontrolliert jetzt direkt und indirekt rund 55 % des "Bild"-Imperiums. "Wir führen weiter mit Ringier Gespräche", erklärte eine Sprecherin des Axel Springer-Verlags auf Anfrage dieser Zeitung.

Wie das Handelsblatt aus den Kreisen der verhandelnden Parteien erfahren hat, hat Friede Springer mit ihrer Anteilsaufstockung die Chancen verbessert, dass sich Ringier beim Berliner Verlagsriesen beteiligt. Nach den bisherigen Plänen beabsichtigt der Springer-Verlag Ringier komplett zu übernehmen. Im Gegenzug sollen sich die Anteilseigner des Schweizer Verlagshauses bei Springer mit knapp 30 % engagieren. Eine Sprecherin des Axel Springer-Verlags will zu den Inhalten der Gespräche keinen Kommentar abgeben.

Mit dieser Konstruktion entfiele für den Schweizer Konzern ein teures Abfindungsangebot an die Streubesitzaktionäre des Springer-Verlags. Denn nach dem neuen Übernahmegesetz müssen Erwerber erst dann eine Abfindung an außenstehende Aktionäre zahlen, wenn sie die Schwelle von mehr als 30 % überschreiten. Beim Springer-Verlag sind weniger als 10 % der Aktien an der Börse breit gestreut.

Bislang hieß es hingegen, dass der Ringier-Verlag alle Anteile des Münchener Filmhändlers Leo Kirch am Springer-Verlag in Höhe von 40,3 % übernehmen will. Ringier betonte vor Tagen, dass man bis Jahresende über die Abgabe eines Angebots entscheiden werde, wenn man sich mit dem Berliner Verlagshaus einigt.

Die Deutsche Bank hatte die Beteiligung des 75jährigen Medienmoguls Leo Kirch am Axel Springer Verlag in einer Versteigerung selber erworben. Das Finanzinstitut will die vinkulierten Aktien an einen strategischen Investor verkaufen oder breit an der Börse platzieren.

Friede Springer sichert sich mit der Anteilsaufstockung quasi die Alleinherrschaft im größten deutschen Pressekonzern. Denn die Verlegerwitwe hat ihre Position deutlich verbessert und kann nun möglicherweise auch ohne Zustimmung der beiden Springer-Enkel Ariane und Axel Sven in dem von ihrem Ehemann gegründeten Firmenimperium den Ton angeben. Sie liegt seit Jahren mit den Springer-Enkeln im Clinch, da diese andere Vorstellungen über das publizistische Erbe des Firmengründers haben. Friede Springer hat deshalb Ende 2001 den Gesellschaftervertrag an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASPG) einseitig gekündigt. Daran ist sie mit 90 % beteiligt. Die restlichen Anteile halten die beiden Springer-Erben paritätisch. Die ASPG besitzt wiederum rund 50 % plus 10 Aktien am Springer-Konzern. Zwischenzeitlich sind die Springer-Erben in die Offensive gegangen. Sie haben vor Gericht teilweise Auskunftsrechte gegenüber der ASPG-Geschäftsführerin erwirkt.

Unklar ist, ob die Springer-Erben ihren Konfrontationskurs mit der Verlegerwitwe beilegen. In internen Kreisen des Verlagshauses heißt es, dass die beiden Enkel die Familienbande offenbar wieder enger geknüpft haben.

Das käme Friede Springer entgegen, deren derzeitige Mehrheit von 55 % sich im Falle einer Kapitalerhöhung schnell wieder verwässern könnte. Dann wäre sie wieder auf die Unterstützung der Enkel angewiesen. Und eine Kapitalerhöhung scheint angesichts der Übernahme der Ringier-Gruppe wahrscheinlich.

Doch beim Springer-Verlag wird über eine Kapitalerhöhung derzeit angeblich nicht nachgedacht. "Wir planen keine Kapitalerhöhung" erklärt eine Sprecherin des Springer-Konzerns. Das Unternehmen sei solide finanziert. Die Netto-Verschuldung sei sehr gering.

Wie das Handelsblatt aber aus Kreisen des Printkonzerns erfuhr, muss das börsennotierte Unternehmen bei einer Komplettübernahme von Ringier offenbar Kredite in mehrstelliger Millionenhöhe aufnehmen. Dabei soll möglicherweise die Deutsche Bank als Darlehensgeber fungieren, heißt es in Bankenkreisen.

Quelle: Handelsblatt

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