Keine Abfindung für Ex-Telekom-Chef
Sommer erhält 11,6 Millionen Euro

Der vor rund zwei Monaten zurückgetretene Telekom-Vorstandschef Ron Sommer erhält nach Angaben der Deutschen Telekom keine Abfindung, sondern lediglich die Bezüge aus seinem noch bis 2005 laufenden Vertrag in Höhe von 11,6 Mill. Euro.

Reuters BONN. Die Telekom teilte am Montag in Bonn mit, Sommer erhalte lediglich die Beträge, die ihm für die Restlaufzeit seines Vertrages bis Mai 2005 rechtlich zustehen würden. Dies seien 11,6 Mill. Euro. "Dazu gehören keine Beträge zur Abgeltung einer angeblichen Option zur Vertragsverlängerung", hieß es in der Erklärung weiter. Eine Abfindung habe Sommer nicht bekommen.

Das Unternehmen widersprach damit erneut einem Bericht des Magazins "Der Spiegel", wonach Sommer angeblich mit dem Aufsichtsrat eine Abfindungszahlung von mehr als 65 Mill. Euro vereinbart habe. Die "Bild"-Zeitung gestaltete am Montag ihre Titelstory mit der "Spiegel"-Meldung.

Die Höhe der Vorstandsgehälter bei der Deutschen Telekom hatte im Frühjahr eine öffentliche Diskussion über die Manager-Qualitäten des langjährigen Telekom-Chefs Sommer ausgelöst, die Mitte Juni mit seinem Rücktritt endete. Die Telekom hatte sich trotz einer Welle der Empörung über eine Steigerung der Vorstandsbezüge um knapp 90 % für das Geschäftsjahr 2001 auf 17,4 Mill. Euro geweigert, die Gehälter des acht Mitgliedern zählenden Vorstands offen zu legen.

Gehalt stieg mit Verschuldung des Konzerns


Die Empörung war laut geworden, weil parallel zur massiven Gehaltserhöhung die Verschuldung des Konzerns deutlich angestiegen war, während die Dividende für 2001 um rund 40 % gekürzt wurde und der Aktienkurs des Unternehmens wegen schlechter Börsenstimmung und schwacher Geschäftszahlen steil abstürzte.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte nach dem Rücktritt erklärt: "Es gibt keine Abfindung, sondern der Vertrag von Dr. Sommer wird bis an das Ende seiner Laufzeit erfüllt - sonst nichts". Der Bund als größter Aktionär mit rund 43 % der Aktien hatte Sommer noch bis Anfang Juli stets gegen die öffentliche Kritik verteidigt, die verbale Unterstützung aber anschließend im Wahlkampf mit der Union entzogen.

Am Wochenende hatte "Der Spiegel" über eine Schadenersatzklage gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Eichel (beide SPD) berichtet. Beide Politiker hätten gegen das Aktiengesetz verstoßen, da mit ihrer Duldung Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus Sommer eine Summe von mehr als 65 Mill. Euro als Abfindfung zugesagt habe. Diese Summe ergebe sich der Klageschrift zufolge aus der dreijährigen Restlaufzeit von Sommers Vorstandsvertrag, einer zugesagten dreijährigen Verlängerungsoption und einem Ausgleich für künftige Aktienoptionen, berichtete das Magazin.

Telekom-Aufsichtsrat: Vorwürfe aus der Luft gegriffen


Der Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende hatte eine Abfindung in dieser Höhe am Sonntag als "aus der Luft gegriffen und frei erfunden" bezeichnet. Eine Abfindung an Sommer habe es nicht gegeben. Die genannte Summe und weitere angebliche Vertragsinhalte hätten "mit der Realität nichts zu tun". Die Bundesregierung und SPD-Generalsekretär Franz Müntefering stuften die Berichte über die angebliche Abfindungshöhe für Sommer als Wahlkampfmanöver ein. Müntefering sagte, der "Bild"-Zeitung sei bereits am Sonntag mitgeteilt worden, dass die vom "Spiegel" genannte Zahl nicht zutreffe. Dennoch sei die Zeitung am Montag unter Berufung auf den Magazinbericht mit der Schlagzeile erschienen: "65 Millionen Euro für Ex-Telekom-Chef?"

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann wies den Vorwurf zurück, mit dem Thema Wahlkampf zu betreiben. "Ich nehme mit Interesse zur Kenntnis, dass die SPD jetzt auch das Nachrichtenmagazin 'Spiegel' mit dem Vorwurf belegt, Wahlkampf gegen Rot-Grün zu machen", sagte Diekmann der Nachrichtenagentur Reuters. In dem Magazin habe die Berichterstattung über die Abfindung für Sommer ihren Anfang genommen, die "Bild"-Zeitung habe wie andere Medien auch die Quellen korrekt genannt.

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