Keine aktuellen Hinweise auf Verschärfung der Situation
Fälle von Milzbrand-Fehlalarmen häufen sich

Die Milzbrand-Fehlalarme in Deutschland häufen sich. Eine ernsthafte Gefährdung der Bevölkerung sehen die Behörden bislang nicht. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte am Montag in Berlin, es gebe zurzeit keinerlei aktuelle Hinweise auf eine Verschärfung der Situation. Sämtliche Berichte über Milzbrandgefahren hier zu Lande hätten sich als Falschmeldungen herausgestellt. Allerdings riss die Reihe der makabren Briefsendungen, die seit Mitte vergangener Woche Feuerwehr und Sicherheitsbehörden in vielen Teilen Deutschlands in Atem hielt, auch am Montag nicht ab.

ap FRANKFURT/MAIN. In Mannheim und in Mülheim an der Ruhr tauchten verdächtige Umschläge auf. Briefe mit weißem Pulver legten in der Region Köln/Bonn die Postzustellung zu Wochenbeginn großen Teilen lahm, weil zwei Verteilzentren in Troisdorf-Spich und in Frechen gesperrt werden mussten. Die liegen gebliebene Post soll den Kunden nun mit einem Tag Verzögerung zugestellt werden. Nach Angaben der Post AG in Bonn hat es inzwischen in Verteilzentren und Postfilialen bundesweit bereits mindestens fünf Fälle gegeben, in denen verdächtige Briefe gefunden und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden.

Die Trittbrettfahrer des Terrorismus würden scharf verfolgt, sagte eine Post-Sprecherin. So kämen auf einen 19-Jährigen, dessen mit Waschpulver gefüllter Drohbrief an einen Freund in einem Münchner Briefzentrum auffiel, fünfstellige Schadenersatzforderungen zu. In Braunschweig ermittelte die Polizei den mutmaßlichen Absender eines verdächtigen, aber ungefährlichen Briefes an die Hilfsorganisation "Shelter Now". Ein 32-jähriger Kraftfahrer aus Sachsen-Anhalt gab zu, den Umschlag auf dem Gelände der "Shelter Now"-Zentrale abgelegt zu haben. Die schnelle Aufklärung solle allen potenziellen Trittbrettfahrern eine Warnung sein, sagte ein Polizeisprecher.

Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas forderte härtere Strafen für Trittbrettfahrer. Bombendrohungen oder das Versenden von Briefen mit angeblichen Milzbrandbakterien seien keine Jugendsünden oder Kavaliersdelikte, sondern "unerträgliche Wahnsinnstaten". Bereits am Wochenende hatten Bundesinneminister Otto Schily und der Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach sich in solchen Fällen für die Verhängung der gegenwärtigen Höchststrafe von drei Jahren Haft ausgesprochen.

Robert-Koch-Institut ruft zu Vorsicht auf

Allerdings nehmen die Behörden die Situation weiterhin ernst und werden darin von Wissenschaftlern bestärkt. So rief das Robert-Koch-Institut die Bundesbürger zu erhöhter Vorsicht auf. Falls in der Post verdächtige, etwa mit Pulver gefüllte Briefe auftauchten, sollte trotz der vielen Fehlalarme schnellstmöglich die Polizei benachrichtigt werden, sagte Institutsleiter Reinhard Kurth im ZDF-Morgenmagazin. Die Devise müsse sein: "Nicht berühren, nicht einatmen, nicht kosten". Mögliche Infektionen, die wie harmlose Erkältungskrankheiten begännen, müssten schnell entdeckt werden, damit mit Antibiotika darauf reagiert werden könne, sagte Kurth, der für die Bundeskoordinierungsstelle "Biologische Kampfstoffe" unter Führung des Kanzleramtes zuständig ist. Das Netzwerk zwischen Behörden, Instituten und Ministerien sei aufgebaut und werde ständig verbessert.

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