Keine aktute Gesundheitsgefahr
Umweltspezialisten finden in Serbien Nato-Uranspuren

Umweltspezialisten der Uno haben an fünf Stellen in Serbien und Montenegro Spuren schwach radioaktiven Urans gefunden, die von den Luftangriffen der Nato 1999 stammen.

Reuters GENF. Der Uranstaub sei zurzeit kein Gesundheitsrisiko, könne es aber werden, wenn der Staub ins Grundwasser gelange oder bei Baumaßnahmen aufgewirbelt werde, berichtete das Umweltprogramm Unep am Mittwoch in Genf über die Untersuchungen im früheren Jugoslawien.

"Im Augenblick besteht keine Gesundheitsrisiko, aber wir wissen nicht, ob eines entstehen könnte, wenn in größerem Umfang Erde bewegt werden würde", sagte Pekka Haavisto, der Leiter einer Expertengruppe des Unep, das vor Ort Untersuchungen gemacht hatte. Die Spezialisten hatten aus zwölf bekannten oder mutmaßlichen Einschlagsstellen von Uran-Munition sechs ausgesucht, die ihnen repräsentativ erschienen. An fünf Stellen seien sie fündig geworden, berichtete Haavisto.

Abgereichertes Uran setzte die Nato Mitte 1999 im Kosovo-Krieg gegen jugoslawische Panzer ein, aber auch Mitte der 90er Jahre im Bosnien-Krieg. Das Schwermetall Uran verleiht panzerbrechender Munition besondere Durchschlagskraft.

Nachdem einige Nato-Soldaten, die in Bosnien und im Kosovo Dienst getan hatten, an Leukämie erkrankt waren, wurde das Unep dorthin geschickt. Die jetzt veröffentlichte Studie bestätigt im Wesentlichen das Ergebnis einer Untersuchung des Vorjahres im Kosovo, dass an den untersuchten Einschlagsorten "keine radioaktiven oder toxischen Risiken für die Umgebung oder die menschliche Gesundheit" gefunden wurde.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wiederholt erklärt, die Strahlung abgereicherten Urans (depleted uranium - DU) reiche nicht aus, um Krebs zu erregen. Die Giftwirkung des Schwermetalls ist aber auch mit anderen Gesundheitsschäden in Zusammenhang gebracht worden, zum Beispiel Schädigungen der Niere. In dem Unep-Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass die WHO keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen DU und genetischen Veränderungen bei sechs Personen gefunden wurde, die in Montenegro bei der Entseuchung einer Einschlagsstelle tätig gewesen waren.

Die Unep-Spezialisten untersuchten jeweils etwa 100 Quadratmeter um den Einschlagspunkt. Sie fanden Uranstaub im Boden und auch in der Luft, wobei Haavisto nicht ausschließen wollte, dass es sich um aufgewirbelte Partikel handelte. Daran schloss er die Warnung an, bei eventuellen Bauarbeiten vorsichtig zu sein. Ins Grundwasser war der Uranstaub auch zwei Jahre nach Ende des Kosovo-Krieges noch nicht vorgedrungen. Haavisto sagte aber, vorsichtshalber sollte das Grundwasser jedes Jahr untersucht werden.

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