Keine akute Bedrohung durch Acrylamid
Nitrofen gelangte schon vor November in die Nahrungskette

Das verbotene Pflanzengift Nitrofen ist offensichtlich schon früher als bislang bekannt in die Nahrungskette gelangt.

Reuters BERLIN. Bereits in Geflügelfleischprodukten vom September 2001 seien Rückstände der Krebs erregenden Chemikalie entdeckt worden, teilte das Veterinäramt des niedersächsischen Landkreises Ammerland am Mittwoch auf Anfrage mit. Bislang waren die Behörden davon ausgegangen, dass Nitrofen-haltiges Futtergetreide erst von November an bei der Firma GS agri in Niedersachsen zu Bio-Futter verarbeitet und an Bio-Betriebe ausgeliefert wurde.

Die Rückstellprobe von Bio-Geflügelprodukten der Marke Krusenhof des Nahrungsmittelherstellers Meica habe Anfang April bei der Firma vorgelegen, sagte ein Sprecher der Veterinärbehörde. Die Firma stellte dann am 25. April Selbstanzeige und brachte damit staatsanwaltschaftliche Ermittlungen in Gang. Öffentlich bekannt wurde der Nitrofen-Skandal erst einen Monat später.

Mittlerweile fahnden zehn Bundesländer sowie die Länder Dänemark, Niederlande und Österreich nach dem Verbleib von Nitrofen-haltigem Geflügelfleisch aus der niedersächsischen Bio-Erzeugergemeinschaft "Grüne Höfe Biowiesen". Ein Großteil der Produkte ist nach bisherigen Erkenntnissen bereits verzehrt worden.

Der EU-Parlamentarier und Grünen-Agrarexperte Friedrich Graefe zu Baringdorf geht davon aus, dass die bislang bekannt gewordene mit Nitrofenstaub verseuchte Lagerhalle in Mecklenburg-Vorpommern nicht alleinige Ursache für die belasteten Produkte sein kann. Von dort war erst am November an den Futtermittelhersteller GS agri geliefert worden.

Graefe zu Baringdorf forderte zudem härtere Sanktionen für Verstöße gegen Futtermittel- und Lebensmittelrecht. Die bisherigen Bußgeldregelungen seien unzureichend. Stattdessen müsse es möglich sein, den Betrieben bei Verstößen auf Dauer die Betriebserlaubnis zu entziehen. Auch die Bio-Branche habe zu lange zugeschaut, obgleich sie von Nitrofen-Belastungen gewusst habe, sagte der Politiker im Deutschland-Radio.

Nach Angaben von Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) sind inzwischen alle denkbaren Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher eingeleitet worden. Es seien mehr Lebensmittel vorsorglich aus den Regalen genommen worden, als notwendig gewesen wären, sagte Künast im ARD-Morgenmagazin.

Keine akute Bedrohung sieht die Ministerin in den erneut nachgewiesenen Belastungen mit Acrylamid in Chips, Pommes frites und anderen hoch erhitzten Lebensmitteln. Das Magazin "stern" und die ARD-Sendung Plusminus hatten Proben in Auftrag gegeben und deutlich erhöhte Werte für Acrylamid nachgewiesen, das unter Krebsverdacht steht. Dieses Problem sei bekannt. Verbraucher seien wiederholt aufgefordert worden, hocherhitzte Lebensmittel nicht im Übermaß zu verzehren, sagte Künast.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%