Keine Angst vor hartnäckigen Aktionärsfragen
Ausbaugegner ordern Fraport-Aktien

Der Börsengang der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport am 11. Juni elektrisiert nicht nur Anleger mit Blick für die Dividende. Rund um Deutschlands größten Airport ordern in diesen Tagen auch Flughafengegner Aktien des eigentlich ungeliebten Konzerns. Lärmgeplagte Hausbesitzer, Mitglieder von Bürgerinitiativen, Städte und Politiker wollen Miteigentümer werden - und vor allem beim heftig umstrittenen Bau einer neuen Landebahn ein Wort mitreden.

dpa FRANKFURT. Doch Flughafenchef Wilhelm Bender gibt sich gelassen. Fast drei Viertel des Unternehmens bleiben nach dem Börsengang in staatlicher Hand. Und Stadt, Land und Bund stehen fest zum geplanten Ausbau, wie Bender betont.

"Flughafen - den kaufen wir uns", haben die grünen Landespolitiker Dirk Langolf und Frank Kaufmann als Motto ausgegeben, um eine Gruppe wachsamer Umweltaktionäre aufzubauen. "Wir haben schon am ersten Tag geordert, um vom Frühzeichnerrabatt zu profitieren", sagt Langolf. In den Fraport-Gremien wollen sie darauf aufmerksam machen, dass der Ausbau nicht mit den Interessen der Region verträglich sei. Auch beim Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Ausbau heißt es: "Wir sind mit dabei." Mehrere Mitglieder hätten Papiere gezeichnet und wollten sich untereinander abstimmen, sagt Sprecher Wolfgang Ehle. "Das ist als politisches Signal zu verstehen, nicht als Unterstützung von Fraport."

Die Aktie als Eintrittskarte um Rede- und Auskunftsrecht zu erhalten

Die kritischen Aktienkäufer versprechen sich vor allem Zugang zu den Fraport-Hauptversammlungen. Auch in einigen Rathäusern gibt es deshalb Pläne, symbolisch Aktien zu ordern. "Als Eintrittskarte, um Rede- und Auskunftsrecht zu erhalten", wie Offenbachs Stadtsprecher Carlo Wölfel betont. Neu-Isenburg und Flörsheim hegen ebenfalls die Absicht zum Aktienkauf, Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe will als Privatmann in die Tasche greifen. Die Gemeindeordnung erlaubt den Kommunen ein solches Vorgehen im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Betätigung, heißt es im Wiesbadener Innenministerium. Nötig sei aber ein Beschluss der Gemeindevertretung. Mehrere Städte klagen ohnedies bereits gegen den nächtlichen Lärm des Flughafens, der allerdings auch einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region ist.

Für die erhoffte Mitsprache als Aktionäre müssen die Ausbaugegner erst einmal zahlen. Bei der Zeichnung sind mindestens 20 Aktien zu ordern. Das macht bei einer Preisspanne von 32 bis 37 ? mindestens 640 ? oder 1200 DM. Dafür, dass die kritischen Anwohner die gewünschten Aktien auch bekommen, sorgt ausgerechnet eine Sonder- Regelung des Fraport-Vorstands. Bei einer Überzeichnung sollen Bürger in Gemeinden des Rhein-Main-Gebiets bevorzugt werden.

Das Angebot sei ein Zeichen der Verbundenheit mit der Region, sagt Fraport-Chef Bender. Und ergänzt ungerührt: "Wir begrüßen jeden, der uns hilft, unseren Kapitalbedarf zu decken." Vor hartnäckigen Aktionärsfragen ist ihm nicht bange. Auch andere große Unternehmen würden dadurch nicht erschüttert.

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