„Keine Angst vor USA“
DFB-Frauen-Elf nach Tor-Rausch im Halbfinale

Die deutschen Fußball-Frauen haben sich bei der Weltmeisterschaft in einen Rausch gesteigert und gehen mit großem Selbstbewusstsein ins Traum-Halbfinale gegen Titelverteidiger USA.

HB/dpa PORTLAND. Nach der Galavorstellung beim 7:1 (1:0)-Torfestival im Viertelfinale gegen Russland und der gesicherten Qualifikation für die Olympischen Spiele 2004 in Athen freut sich die DFB-Auswahl auf ein weiteres Fußballfest am kommenden Montag (01.30 Uhr MESZ/ZDF) in Portland. "Wir haben unsere Ziele erstmal erreicht. Gegen die USA können wir befreit aufspielen und haben nichts zu verlieren. Aber natürlich wollen wir ins Finale", sagte die mit sechs Toren führende WM-Torschützin Birgit Prinz nach dem Kantersieg über die Russinnen.

In der zweiten Vorschlussrunden-Partie (Montag, 04.30 Uhr) trifft Kanada nach dem 1:0 über Vize-Weltmeister China auf Schweden. Spielführerin Charmaine Hooper bescherte den Kanadierinnen in der Nacht zum Freitag den erstmaligen Einzug in ein WM-Halbfinale mit ihrem Siegtreffer schon in der 7. Minute. Vier Spiele, vier Siege, 20:3 Tore - die deutsche Bilanz bei der 4. Frauen-WM lässt bisher keine Wünsche offen und allmählich sogar Titelträume reifen. "Wir haben hier guten Fußball gezeigt und von Spiel zu Spiel mehr Selbstvertrauen getankt. Wir werden uns auch gegen die USA was einfallen lassen", verspricht Maren Meinert. Die 30 Jahre alte Stürmerin, die wie Spielführerin Bettina Wiegmann nach dem Turnier ihre Karriere beendet, denkt noch mit Schaudern an die letzte WM-Partie gegen die USA und würde diese Scharte gern auswetzen.

Im Viertelfinale vor vier Jahren zog die DFB-Elf in Washington gegen den späteren Titelträger mit 2:3 den Kürzeren. Die Situation damals sei mit der jetzigen nicht mehr vergleichbar, findet Meinert. "1999 hatten wir die Kötel in der Hose. Wir sind mit einer 2:1-Führung in die Kabine, dann sind wir rausgegangen und haben gedacht, hoffentlich schießen sie gleich den Ausgleich und das 3:2, damit wir nach Hause können. Wir hatten Angst ohne Ende." Auch Prinz versichert, dass sich seitdem Grundlegendes verändert hat. Die deutsche Elf sei erfahrener, reifer und abgeklärter. "Wir haben keine Angst mehr vor den USA. Ich habe wie einige andere von uns in der US-Profiliga gespielt. Natürlich sind die Amerikanerinnen stark. Aber es wird leichter als gegen Russland. Denn die USA sind Favorit und haben den Druck. Wir können nur gewinnen", meinte die gegen Russland zwei Mal erfolgreiche Prinz (80./89.).

Den Torreigen hatte die überraschend von Beginn an spielende Martina Müller (25.) eröffnet. Sandra Minnert (57.), "Joker" Pia Wunderlich (60.) und Kerstin Garefrekes (62./85.) machten den höchsten deutschen WM-Sieg nach dem 6:0 gegen Mexiko 1999 an selber Stelle perfekt. "Portland ist für uns ein gutes Pflaster", stellte Bundestrainerin Tina Theune-Meyer fest. Die 49-Jährige war nach der Olympia-Qualifikation glücklich und kündigte an: "Jetzt haben wir ein neues Ziel." Russlands Coach Juri Bystritzky traut der DFB-Elf den WM-Titel durchaus zu. "Sie ist in Topform und hat eine echte Chance." Die Pflicht sei erfüllt, "nun folgt die Kür", so Prinz.

Auch Ariane Hingst ist heiß auf den Knüller gegen den Gastgeber im ausverkauften PGE-Park. Die Potsdamerin ärgerte sich darüber, dass es von der amerikanischen Seite immer hieß, Deutschland habe bisher nur leichte Gegner gehabt. "Jetzt können wir zeigen, dass wir auch guten Fußball spielen können. Die Chancen stehen 50:50." Silke Rottenberg geht noch einen Schritt weiter: "Die USA müssen uns erstmal schlagen. Ich bin optimistisch und glaube, wir gewinnen. Das wäre ein Traum."

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