Archiv
Keine Anzeichen für eine stärkere Konjunkturabschwächung

Der Handelsblatt- Frühindikator hat sich im März bei 2,1 % stabilisiert. Er lag damit allerdings weiter um mehr als einen Prozentpunkt unter dem im Oktober 2000 erreichten Höchststand von 3,3 %. Das Konjunkturbarometer des Handelsblatts für die neuen Länder konnte sich sogar leicht von 3,0 % auf 3,1 % erholen. Damit wächst die Hoffnung, dass die Konjunkturabschwächung in der ersten Jahreshälfte sich nicht verstärken wird.

HB DÜSSELDORF. Für den Konjunkturverlauf im ersten Quartal lässt der Handelsblatt-Frühindikator eine gleitende Jahreswachstumsrate von wie Ende 2000 etwa 3 % für Gesamtdeutschland erwarten. Im zweiten Quartal signalisiert der Frühindikator-Vierteljahreswert allerdings einen Rückgang dieser Rate auf nur noch etwa 2,2 % (Grafik oben). Die jüngste Stabilisierung der Monatswerte der beiden Handelsblatt-Indikatoren spricht aber dagegen, dass sich daraus ein selbstverstärkender Abwärtsprozess entwickeln könnte. Allerdings ist angesichts der weltwirtschaftlichen Risiken wohl auch nicht so schnell wieder mit einer Konjunkturdynamik wie im Jahr 2000 zu rechnen.

Die auf 3,0 % revidierte Wachstumsrate für Deutschland im Jahr 2000 war vom Handelsblatt-Frühindikator mit einem Quartalswert von 3,1 % für das Schlussquartal fast genau vorausgesagt worden. Der Frühindikator lag zunächst bei 3,2 %, fiel aber auf Grund revidierter Einzeldaten nachträglich um 0,1 Prozentpunkt niedriger aus.

Drei von fünf Einzelindikatoren beim Frühindikator wie beim Ostbarometer haben sich zuletzt verbessert. So haben die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe zum Jahresende noch einmal kräftig zugelegt. Im Dezember stiegen sie saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 1,6 % im Westen und um gut 10 % im Osten, letzteres begünstigt durch einige Großaufträge. Damit setzten sie unbeeindruckt von konjunkturellen Unkenrufen ihren Aufwärtskurs weiter fort.

Im Schlussquartal 2000 war das Ordervolumen der Industrie in ganz Deutschland 2,4 % höher als im Vorquartal. In erster Linie war dies der dynamischen Nachfrage nach Investitionsgütern (+7,5 %) zu verdanken. Während das Inland eher verhalten bestellte, war einmal mehr die Exportnachfrage Motor der Konjunkturentwicklung. Wiederum waren vor allem Investitionsgüter im Ausland vorrangig gefragt und bescherten den Produzenten einen saisonbereinigten Zuwachs von gut 10 % gegenüber dem dritten Vierteljahr.

Ungünstige Erwartungen belasten Klima im Westen

Das Ifo-Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe lässt allerdings weiterhin Skepsis bei den Unternehmen hinsichtlich der künftigen Konjunkturentwicklung erkennen. Im Januar wurden die Aussichten für die kommenden sechs Monate im Westen erstmals sogar wieder überwiegend negativ eingeschätzt. Bei weitem wesentlich günstiger wird in beiden Teilen Deutschlands weiterhin die aktuelle Geschäftslage beurteilt. Entsprechend wenig Führung bei der Konjunkturbeurteilung gibt die jüngste Entwicklung des Ifo-Geschäftsklimaindex für die Industrie, der sich je zur Hälfte aus der Beurteilung von aktueller Lage und Geschäftserwartungen errechnet. Während das Klima in der Industrie sich im Westen leicht von 8,4 auf 7,4 Punkte verschlechterte, ist es im Osten von 12,6 auf 14,9 Punkte angestiegen.

In der schon seit fast zwei Jahren rückläufigen Baukonjunktur ist zum Jahresende ein kleiner Silberstreif am Horizont erschienen. Im Dezember legte die Nachfrage im Westen um saisonbereinigt 3,3 % gegenüber dem Vormonat zu und erreichte damit ihr höchstes Niveau seit sieben Monaten. Auch im Osten wurde ein geringer Zuwachs der Auftragseingänge um 1,3 % verzeichnet. Ausschlaggebend war ein starker Orderanstieg im Nichtwohnungsbau, flankiert von ebenfalls zunehmenden Tiefbauaufträgen. Der anhaltende Rückgang der Nachfrage im Wohnungsbau konnte damit überkompensiert werden.

Zinsniveau bietet wenig Anreiz zum Sparen

Gleichwohl ist Euphorie noch nicht am Platze, denn die mittelfristigen Aussichten für das Baugewerbe sind trotz der geplanten Abrisse leerstehender Wohnungen im Osten noch alles andere als rosig. Dort waren die Neuaufträge im Wohnungsbau im vergangenen Jahr um ein Viertel niedriger als 1999. im Jahr zuvor. Die ungeklärte Einbeziehung des Wohneigentums in die steuerliche Förderung der Altersvorsorge dürfte zudem potenzielle Bauherren verunsichert haben.

Im Einzelhandel sind nach wie vor nur vereinzelte Lichtblicke zu erkennen. Im Dezember verharrten die gesamtdeutschen Umsätze nach der saisonbereinigten Rechnung der Bundesbank nahezu unverändert auf dem niedrigen Niveau des Vormonats, womit im Schlussquartal sogar das schwache Ergebnis des dritten Quartals noch verfehlt wurde. Für den Januar deutet allerdings der Ifo-Konjunkturtest auch wegen des Winterschlussverkaufs auf ein deutliches Anziehen der Nachfrage hin. Vor allem im Westen berichteten die Einzelhändler über eine sprunghaft verbesserte Geschäftlage.

Abzuwarten bleibt, ob die Verbraucher die zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Steuerersparnisse in größerem Umfang in die Geschäfte tragen. Zum einen dürfte ein Großteil der Mehreinkommen für gestiegene Benzin- und Heizkosten benötigt werden, zum anderen bietet die bevorstehende Urlaubssaison auch anderweitig Gelegenheit, das Geld auszugeben. Zudem steigt nach aller Erfahrung mit plötzlich ansteigenden Realeinkommen zunächst einmal die Sparquote.

Das Zinsniveau bietet zum Sparen in Geldvermögen und festverzinslichen Wertpapieren allerdings derzeit wenig Anreiz. Im Januar ist der Dreimonatszins Fibor nochmals von 4,94 % auf 4,77 % zurückgegangen, die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere ermäßigte sich von 5,1 % auf 4,9 %. Damit ist die Renditedifferenz weiter auf nur noch 0,1 Prozentpunkte geschrumpft. Das insgesamt niedrigere Zinsniveau dürfte diesen tendenziell konjunkturdämpfenden Effekt aber zum Positiven hin überwiegen. Nicht zuletzt deuten die niedrigen Zinsen auf eine weiterhin niedrige Inflationserwartungen der Marktteilnehmer hin. Die Bundesbank beziffert diese auf derzeit nur noch etwa 1,5 %. Gleichzeitig liege der erwartete reale Kapitalmarktzins für zehnjährige Laufzeiten nur noch bei 3,5 %, verglichen mit etwa 4 % in den 90er-Jahren. Dies sollte eigentlich der Investitionsbereitschaft zugute kommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%