Keine Bedrohung durch Raketen
Zwischenfall beim Kanzler-Flug

Ein Gewitter hat nach ersten Erkenntnissen der Luftwaffe vermutlich zu einer Fehlauslösung der Abwehrsysteme des Flugzeugs von Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Flug von Afghanistan nach Usbekistan geführt.

Reuters DÜSSELDORF. "Es hat eine Fehlauslösung gegeben, die vermutlich durch ein Gewitter ausgelöst wurde", sagte ein Offizier im Pressezentrum der Luftwaffe in Köln-Wahn am Freitag. Es sei auszuschließen, dass die Maschine von Radarstrahlen einer Raketenstellung erfasst worden sei.

Durch die Fehlauslösung seien zwei "Täuschkörper" aktiviert worden, die Raketen von der Kanzler-Maschine ablenken sollen. Ein System stoße eine Wolke von Aluminium- und Glasfaserpartikeln aus, um anfliegende Raketen mit Radarsuchköpfen von der Maschine abzulenken. Beim zweiten System werde ein "Magnesiumtäuschkörper" aktiviert, der kurzzeitig große Hitze freiwerden lasse und so Raketen mit Infrarotsystemen täuschen solle.

"Beide Systeme wurden ausgelöst", sagte der Sprecher weiter. Dadurch seien vermutlich zwei kleinere Explosionen an Bord zu hören gewesen. "Das macht Puff", sagte der Sprecher. Die Insassen der Kanzler-Maschine seien mit dem Schrecken davongekommen. Die Abwehrsysteme könnten in Usbekistan ersetzt werden.

Der Sprecher wies zugleich einen Medienbericht zurück, dem zufolge das Flugzeug vom Zielradar einer Raketenabschuss-Anlage in den afghanischen Bergen erfasst wurde. Es gebe einen Radarwarner an Bord der Kanzler-Maschine, der eine solche Erfassung anzeigen würde. Dieser "hat aber nicht angesprochen". Vielmehr sei es vermutlich durch ein Gewitter zu dem Zwischenfall gekommen. Bei solchen Wetterlagen könnten kurzzeitige elektromagnetische Impulse die "sehr empfindlichen Geräte" der Abwehr der Maschine auslösen. Ein Sprecher der Bundesregierung hatte zuvor mitgeteilt, dass die Kanzler-Transall wegen mehrerer Gewitter von ihrem ursprünglichen Kurs abgewichen sei.

Ein NDR-Korrespondent hatte berichtet, nachdem das Flugzeug von dem Zielradar erfasst worden sei, seien Abwehrmechanismen gegen einen möglichen Beschuss ausgelöst worden. Es habe einen Knall und mehrere Lichtblitze gegeben. Eine Rakete sei nicht eingeschlagen.

Schröder hatte am Donnerstag das deutsche Kontingent der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF besucht und den Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, getroffen. Dann flog er nach Usbekistan weiter.

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