Keine Bestätigung der Staatsanwaltschaft
Vorwürfe gegen Telekom-Chef Ron Sommer

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" gegen Telekom-Chef Ron Sommer ein förmliches Ermittlungsverfahren aufgenommen. Dabei gehe es um die Fehlbewertung des Telekom-Immobilienvermögens.

dpa/afx HAMBURG. Sommer, so der Verdacht, könnte über Jahre hinweg von der Falschbewertung der Immobilien gewusst haben, ohne entsprechend zu reagieren, schreibt "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe.

Unterdessen haben die Vereinigungen der Kleinaktionäre angekündigt, den Telekom-Managern auf der Hauptversammlung am 29. Mai die Entlastung zu verweigern.

Bisher hatten die Ermittler hauptsächlich den ehemaligen Telekom - Finanzvorstand Joachim Kröske wegen Falschbilanzierung und Kapitalbetrugs unter Verdacht. Nach der zu hohen Bewertung der 35 000 Immobilien musste die Bilanz unlängst um 3,9 Mrd. DM korrigiert werden.



Keine Bestätigung der Staatsanwaltschaft

Der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Bernd König, wollte ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen Sommer am Sonntag nicht bestätigen. "Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Herrn Kröske prüfen wir allerdings, ob sich auch andere Vorstandsmitglieder strafbar gemacht haben", sagte König auf Anfrage.

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek wies die Vorwürfe am Sonntag als "unbegründet" zurück. "Wir haben bereits hinreichend deutlich gemacht, warum wir die Abwertung des Immobilienvermögens vorgenommen haben", erklärte Lissek. "Von Bilanzfälschung kann keine Rede sein."

Die Staatsanwaltschaft vermute, dass Sommer schon seit geraumer Zeit von der Überbewertung Kenntnis gehabt haben könnte, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht. Zumindest lägen den Ermittlern entsprechende Schreiben vor, in denen Telekom-Manager und externe Gutachter den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Sihler und den Telekom - Vorstand bereits frühzeitig auf eine drohende Falschbewertung hingewiesen hätten.



Verweigerung der Entlastung

"Mit ziemlicher Sicherheit werden wir dem Vorstand die Entlastung verweigern", sagt Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland". Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erwägt, Sommer und seine Vorstandskollegen nicht zu entlasten.

"Die Nicht-Entlastung wäre die kleinste Möglichkeit", sagte Petra Krüll von der DSW. Die Vereinigung strebt eine Sonderprüfung der Immobilienliegenschaften an. Dazu müssten 5 % der Aktien oder ein Gegenwert von 500 000 Euro Grundkapital zustimmen. "Geprüft wird weiterhin die Möglichkeit einer Klage", sagte Krüll der Zeitung.



Ähnliches Vorgehen bei Daimler-Chrysler

Die Vorgehensweise bei der Telekom werde nicht anders aussehen als bei Daimler-Chrysler, sagte Keitel von der SdK. Am Donnerstag hatten die beiden Aktionärsvereinigungen bekannt gegeben, dass sie den Managern um Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Entlastung verweigern werden.

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