Keine Bestrafung
Powell lobt deutsche Rolle im Anti-Terror-Kampf

Nach seinem teilweise als frostig eingeschätzten Berlin-Besuch hat US-Außenminister Colin Powell Signale der Verständigung mit Deutschland ausgesandt. So lobte er die Rolle der Bundesrepublik im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

HB/dpa BERLIN. "Deutschland hat den globalen Krieg gegen den Terror ganz besonders kräftig unterstützt", sagte Powell in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" (Ausstrahlung am Sonntagabend). Die Deutschen hätten "Verhaftungen vorgenommen, Netzwerke zerstört, mit uns gemeinsam die Finanzierungsströme ausgelöscht". Sie hätten sich auch am Informationsaustausch der Geheimdienste und der Strafverfolgungsbehörden beteiligt.

Powell machte auch deutlich, ein möglicher Abzug von Teilen der US-Armee aus Deutschland sei keine Strafaktion. Powell und auch Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) versicherten, eine Truppenverlegung wäre direkte Folge eines neuen weltweiten Stationierungskonzepts der amerikanischen Streitkräfte.

Struck sagte der "Welt am Sonntag", klar sei schon jetzt, "dass die großen US-Standorte in Deutschland wie Frankfurt, Ramstein, Grafenwöhr, Heidelberg und andere erhalten bleiben sollen". Zuvor hatte es immer wieder Berichte gegeben, die US-Armee wolle große Teile ihrer Streitkräfte aus Deutschland abziehen.

Powell erklärte: "Wir überprüfen die Stationierung unserer Streitkräfte aus strategischer Sicht." Dies geschehe weltweit, nicht nur in Europa, sondern auch in Südkorea. "Ich erwarte eine Umverteilung - aber sehen Sie darin nicht die Absicht, Deutschland zu bestrafen", sagte der US-Minister. "Wir haben Deutschland auch nicht bestraft, als wir Anfang des letzten Jahrzehnts 200 000 Mann abzogen. Der Grund war, dass die russische Armee abgezogen war und es keinen Eisernen Vorhang mehr gab."

Struck hält die Eiszeit im deutsch-amerikanischen Verhältnis wegen des Irak-Konflikts für beendet: "Zu Rumsfeld habe ich ein normales Arbeitsverhältnis." Die Gespräche von Powell in Berlin hätten "nach dem Ende des Irak-Krieges weiter zum gewohnt freundschaftlichen Verhältnis in den deutsch-amerikanischen Beziehungen beigetragen".

Powell sagte hingegen in der ARD, man solle nicht so tun, "als habe sich alles wieder normalisiert". Das Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Freitag sei "offen und aufrichtig" geführt worden, jedoch "in einer warmen und freundschaftlichen Atmosphäre". Nun gelte es für Deutschland und die USA den Blick nach vorne zu richten. "Jetzt arbeiten wir zusammen, um voranzukommen - nicht nur im Hinblick auf die Resolution der UNO (zu den Irak-Sanktionen), sondern auch auf viele andere Dinge, die wir gemeinsam tun."

Zu dem überraschenden Treffen von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit US-Präsident George W. Bush in Washington sagte Powell in der ARD: "Es ist doch keineswegs unüblich, dass amerikanische Politiker auf höchster Ebene Angehörige der Oppositions-Parteien bei unseren Bündnispartnern empfangen und von diesen besucht werden."

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