Keine Bewegung Pakistans im Kampf gegen Terror: Indien: Pakistan lässt Extremisten gewähren

Keine Bewegung Pakistans im Kampf gegen Terror
Indien: Pakistan lässt Extremisten gewähren

Im Kaschmir-Konflikt sieht Indien trotz entsprechender Ankündigung seines Nachbarn Pakistan keine Bewegung in dessen Kampf gegen den grenzüberschreitenden Terrorismus.

Reuters NEU-DELHI. Die Sprecherin des indischen Außenministeriums, Nirupama Rao, sagte am Dienstag in Neu-Delhi, es sei Zeit, dass Pakistan seine ambivalente Haltung aufgebe. Dessen Präsident Pervez Musharraf hatte unter dem Druck der USA und Großbritanniens konkrete Schritte gegen moslemische Extremisten angekündigt. US-Präsident George W. Bush schätzte die Lage als weiterhin sehr ernst ein. Am Montag und Dienstag lieferten sich Truppen beider Länder an der Grenze erneut Gefechte.

Indien warte noch immer auf "konkrete, ernstgemeinte und wesentliche Schritte" Pakistans gegen grenzüberschreitenden Terrorismus und Guerilla-Gruppen, die von pakistanischem Boden aus gegen Indien kämpften, sagte Rao. Für eine Vermittlung Dritter sah sie keinen Raum: "Es ist Sache unserer beiden Länder, dieses Thema zu behandeln." Indien wirft seinem Nachbarland vor, moslemische Terroristen zu unterstützen, die gegen die indische Herrschaft in Kaschmir kämpften.

Musharraf hatte erklärt, sein Land weise "Terrorismus in allen Formen und Ausprägungen zurück und hat mit der internationalen Koalition in diesem Geist vollständig kooperiert". Er kündigte an, in einigen Tagen endgültige Entscheidungen bekanntzugeben. Pakistan hatte mehrere hundert militante Moslems festgenommen und sich auf die Gruppen Lashkar-e-Taiba und Jaish-e-Mohammad konzentriert.

Bush sagte am Montag in Washington, er halte die Situation noch nicht für entschärft. Die USA bemühten sich auf diplomatischer Ebene weiter darum, Inder und Pakistaner zu überzeugen, dass es einen Weg gebe, ihre Probleme zu lösen, ohne dass es zum Krieg kommen müsse. Entscheidend sei aber, dass Musharraf eine unmissverständliche Erklärung abgebe, dass er gegen den Terrorismus vorgehen werde.

Zuvor hatte der britische Premierminister Tony Blair vor einer Eskalation des Kaschmir-Konflikts gewarnt und beide Länder zum Friedensdialog aufgerufen. "Wenn die Spannungen eskalieren und außer Kontrolle geraten sollten, dann wäre dies ein sehr ernster Tag für die Region und die Welt", hatte Blair am Montag in Islamabad nach einem Treffen mit Musharraf gesagt.

An der Grenze kommt es nahezu täglich zu Feuergefechten. Am Montagabend und Dienstag beschossen sich indische und pakistanische Soldaten Augenzeugen zufolge in der Grenzregion um Sialkot. Nach indischen Angaben wurden zudem bei Kämpfen in der Region um Trehgam zwei aus Pakistan stammende Rebellen und ein indischer Soldat bei einem Angriff auf ein indisches Armeelager getötet. Pakistanische Behörden sprachen von sporadischen Schießereien über die Grenze hinweg.

Nach dem Anschlag auf das indische Parlament am 13. Dezember, bei dem 14 Menschen starben, wurde an der Grenze zwischen beiden Ländern das größte Truppenaufgebot seit 15 Jahren zusammengezogen. Indien macht Separatisten für den Anschlag verantwortlich und wirft Pakistan vor, diese bei ihren Operationen im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir zu unterstützen, was Pakistan jedoch bestreitet.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, haben um Kaschmir bereits zweimal Krieg geführt. Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 kontrolliert Indien 45 % der Bergregion, Pakistan etwa ein Drittel. Der Rest steht unter chinesischer Verwaltung. Seit Ausbruch der Kämpfe um die Unabhängigkeit Kaschmirs von Indien 1989 wurden nach Behördenangaben mehr als 33.00 Menschen getötet. Separatisten schätzen die Zahl der Toten auf rund 80 000.

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