Keine Börsenpläne
Siemens VT plant keine engere Kooperation mit Alstom

vwd BERLIN. Die Siemens Verkehrstechnik (VT), eine Tochter der Siemens AG, Berlin/München, plant nach eigenen Angaben über den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges hinaus keine engeren Kooperationen mit dem französischen Bahntechnik-Hersteller Alstom SA, Paris. "Wir haben darauf gesetzt, aus eigener Kraft zu wachsen. Der Erfolg gibt uns Recht", sagte Herbert Steffen, Vorsitzender des Bereichsvorstandes Verkehrstechnik, am Dienstag in Berlin. Auch eine Herauslösung aus dem Konzern sei nicht geplant, die VT gehöre zum "Kerngeschäft" der Siemens AG. Steffen schloss Zukäufe nicht aus, betonte aber, dass derzeit keine "konkreten Verhandlungen" geführt würden.

Die Entwicklung bei der vor der Übernahme durch die kanadische Bombardier Inc, Montreal, stehenden DaimlerChrysler Rail Services GmbH (ADtranz), Berlin, beobachte Siemens mit Blick auf mögliche Weiterverkäufe von Teilbereichen des Unternehmens. Insgesamt zeigte sich Steffen aber angesichts des an Gesamtumsatz und-volumen deutlich größeren neuen Konkurrenten gelassen. An den einzelnen Märkten, wie Signaltechnik oder Hochgeschwindigkeitszüge, halte Siemens einen Vorsprung. Es sei eine "bewußte Überlegung" gewesen, die Sondierungsgespräche mit Bombardier nicht weiter zu führen.

Bis zum Jahresende wollen Siemens und Alstom zwei erste Konzepte für den gemeinsam geplanten ICE- und TGV-Nachfolger präsentieren. Dabei fielen erste Vorentscheidungen für Antriebsart und Bauweise des Zuges, sagte Hans Schabert, Leiter des Geschäftsbereiches Lokomotiven. Der Prototyp werde voraussichtlich ab 2005 getestet, ab 2008 soll der neue Zug fahren. Die Entwicklungskosten werden Schabert zufolge im dreistelligen Millionenbereich liegen. Ob der Zug im Rahmen eines Konsortiums gebaut wird oder eine eigene Firma nach Vorbild des Airbus-Modells geschaffen würde, sei noch offen. Die Konzeption soll aber durch Alstom und Siemens erfolgen, in späteren Phasen sei man "offen für andere", sagte Schabert.

Gemeinsam mit dem Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV bewerbe sich Siemens derzeit um ein Projekt in Spanien mit einem Volumen von zwei Mrd. DM und ein weiteres Projekt in China. Dabei handele es sich um eine Strecke von 1 400 Kilometer Länge, die bei einem kompletten Neubau ein Auftragsvolumen im "zweistelligen Miliardenbereich" umfassen könnte. Zudem setzt die Siemens-Tochter bei ihrer künftigen Geschäftsentwicklung auf E-Business und das Service-Geschäft. "Wir gehen beim Service von einem Marktwachstum von rund 6 % jährlich aus", erklärte Steffen.

Bis 2004 solle der Umsatz in diesem Segment um rund 500 Mill. Euro auf dann 800 Mill. Euro gesteigert werden. Im Geschäftsfeld E-Business habe das Unternehmen eine "Vorreiterrolle" eingenommen. Im ersten Halbjahr hätte das Mietangebot von Lokomotiven im Internet ein Geschäftsvolumen von zehn Mill. EUR generiert, 90 % der Neukunden seien über das Internet zu Siemens gekommen. "Wir erhalten zwei bis drei qualifizierte Anfragen pro Woche", sagte Steffen. Zur Bahnmesse InnoTrans, die am 12. September in Berlin beginnt, wird Siemens unter dem Namen "Rail Mall"zudem einen Online-Shop für Ersatzteile und Services im Internet eröffnen.

Dadurch könnten die Prozesskosten in Vertrieb und Abwicklung um bis zu 30 % gesenkt werden, sagte Steffen. Das derzeitige Kostensenkungsprogramm sei zu etwa 75 % abgearbeitet. Für die Zukunft strebt der Unternehmensbereich mittelfristig eine EBIT-Größe in Höhe von 6-8 % des Umsatzes an.

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