Keine Chance für Ullrich
Baske Mayo gewinnt Königsetappe der Tour

Auf der "Königsetappe" hat Lance Armstrong seine Regentschaft bei der Tour de France manifestiert und Jan Ullrich in die Schranken gewiesen. Als Sieger durfte sich in L'Alpe d'Huez am Sonntag zwar der Baske Iban Mayo 1:45 Minuten vor Telekom-Profi Alexander Winokurow feiern lassen

dpa L'ALPE D'HUEZ. Der viermalige Tour-Sieger Armstrong holte sich als Tagesdritter mit weiteren 27 Sekunden Rückstand jedoch das Gelbe Trikot vom Franzosen Richard Virenque, der einen rabenschwarzen Tag hatte.

Ullrich erreichte mit 3:36 Minuten Rückstand auf Mayo und 1:15 Minuten hinter Armstrong als 13. das Ziel der 8. Etappe über 219 km mit Start in Sallanches. Insgesamt ist er Achter mit 2:10 Minuten Rückstand. Virenque war am Samstag durch seinen Sieg auf der ersten Alpenetappe von Lyon nach Morzine-Avoriaz zum zweiten Mal nach 1992 ins "Maillot Jaune" geschlüpft. "Hoffentlich muss ich am Sonntag dafür nicht bezahlen", befürchtete der 33-Jährige und hatte recht. Der Ahlener Rolf Aldag wurde am Samstag nach langer Flucht sensationell Zweiter, verlor sein Bergtrikot aber sofort wieder.

Am 14 km langen Anstieg nach L'Alpe d'Huez mit seinen gefürchteten 21 Kehren waren die Besten unter sich. Als Armstrongs Edelhelfer Roberto Heras antrat, konnte Ullrich dem Tempo des ehemaligen Vuelta- Siegers aus Spanien nicht folgen. Armstrong persönlich konterte noch eine Attacke des Vorjahres-Zweiten Joseba Beloki aus Spanien, seinen Sieg von 2001 konnte der Amerikaner aber nicht wiederholen. Er führt insgesamt nun mit 40 Sekunden Vorsprung vor Beloki, 1:10 Minuten vor Mayo und 1:17 Minuten vor Winokurow.

Winokurow mit toller Form

Das "Dach" der Tour auf dem 2645 Meter hoch gelegenen Col du Galibier passierte zuvor der ehemalige Giro-Sieger Stefano Garzelli als Erster, Ullrich fuhr als Siebter direkt vor Armstrong über die Passhöhe. Auf der Abfahrt setzten sich der Spanier Mikel Astarloza und der französische Meister Didier Rous ab, beide wurden aber eingeholt.

Giro-Sieger Gilberto Simoni, der Armstrong eigentlich attackieren wollte, hatte lange Tour-Debütant Jörg Ludewig an seiner Seite, war bei der Entscheidung aber erneut chancenlos. Bis nach Bourg d'Oisans 15 km vor dem Ziel hatte Armstrong dagegen noch fünf Kollegen von US Postal an seiner Seite. Winokurow war zwar auf sich allein gestellt, der Sieger der Tour de Suisse bewies dennoch seine tolle Form.

Telekom-Profi Rolf Aldag war am Samstag als dritter Deutscher nach Jens Voigt und Marcel Wüst ins Bergtrikot gefahren, dass er in Vertretung von Virenque überstreifen durfte. 1994 hatte er knapp das Gelbe Trikot verpasst. "Als ich nach 800 Metern weggefahren bin, dachte ich nicht, dass ich am Ende Zweiter werde. Das war das Schwerste, was ich je gemacht habe", sagte der 34-jährige Westfale. Am Sonntag wurde Aldag auf dem Weg zum Col du Télégraphe, der dritten von fünf Bergwertungen, abgehängt.

Auf der Bergetappe schrumpfte das Feld

Ullrich und Armstrong kamen in Morzine-Avoriaz in der Verfolgergruppe an und bewältigten den Col de la Ramaz ohne Probleme. "Das war mein bisher bester Tag bei der Tour. Ich habe mich besser gefühlt als beim Mannschaftszeitfahren", erklärte Armstrong. Den insgesamt sechsten Tour-Tagessieg ließ Virenque sich jedoch nicht mehr nehmen. Der Lokalmatador, 1998 Hauptperson des Dopingskandals um das damals ausgeschlossene Festina-Team, hatte dort schon vor drei Jahren gewonnen und stand wenige Monate danach vor Gericht.

Die ersten beiden Bergetappen ließen das Feld bereits schrumpfen. Vom Team Gerolsteiner verabschiedeten sich am Samstag Sprinter Olaf Pollack und der deutsche Zeitfahrmeister Michael Rich. Pollack saß am Sonntag in einem Campingstuhl am Aufstieg nach L'Alpe d'Huez und verfolgte von dort aus wie Hunderttausende von Fans das Rennen.

Italiens Sprintstar Alessandro Petacchi gab ebenfalls am Samstag auf. Seine Mannschaft Fassa Bortolo hatte am Sonntag nur noch drei von ursprünglich neun Profis dabei, gar nicht mehr zum Start erschien Vuelta-Sieger Aitor Gonzalez aus Spanien. Da in Jaan Kirsipuu aus Estland ein weiterer Sprinter aufgab, steigen Erik Zabels Chancen auf das Grüne Trikot, das vorerst aber der Australier Baden Cooke übernahm.

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