Keine Chemiewaffe
Russland: Gas bei Geiselnahme war kein Kampfstoff

Das bei der Erstürmung des Moskauer Theaters eingesetzt Gas war nach russischen Angaben kein chemischer Kampfstoff, sondern ein Morphin-Abkömmling.

Reuters MOSKAU/MÜNCHEN. Gesundheitsminister Juri Schewtschenko sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch, der eingesetzte Stoff basiere auf Fentanyl. Substanzen, die unter das Verbot von Chemiewaffen fallen würden, seien nicht benutzt worden. Bei der Erstürmung eines von tschetschenischen Geiselnehmern besetzten Theaters waren am Samstag 119 Geiseln und fast alle Geiselnehmer ums Leben gekommen. Die meisten Geiseln starben Ärzten zufolge an einer Gasvergiftung.

Die Geiselnehmer hatten mit der Tötung ihrer mehr als 700 Geiseln und einer Sprengung des Theaters gedroht. In den vergangenen Tagen hatte es unterschiedliche Vermutungen über die Art des verwendeten Gases gegeben. US-Experten gingen davon aus, dass es Opiate enthielt, während britische Mediziner nicht ausschlossen, dass es sich um das Nervengas BZ handelte. Der Gerichtsmediziner Ludwig von Meyer sagte am Mittwoch in München, bei den beiden überlebenden deutschen Geiseln sei das Narkosegas Halothan nachgewiesen worden. Möglicherweise sei auch ein zweites, nicht bekanntes Mittel eingesetzt worden.

Nachrichtenagenturen meldeten unter Berufung auf russische Gesundheitsbehörden, derzeit würden noch 245 befreite Geiseln in Krankenhäusern behandelt. Der Zustand von 16 von ihnen sei kritisch. Am Mittwoch wurden in Moskau weitere Opfer der Geiselnahme beigesetzt. Unter ihnen waren zwei Kinder, die zu den Akteuren des Musical-Theaters gehörten. Bei der Erstürmung waren nach offizellen Angaben auch rund 50 Geiselnehmer ums Leben gekommen.

Dänemark nahm auf Veranlassung Russlands einen prominenten Tschetschenen-Politiker fest, dem Russland Mithilfe bei der Planung der Geiselnahme vorwirft. Ein dänischer Richter ordnete gegen Achmed Sakajew, den prominentesten Sprecher des entmachteten tschetschenischen Präsidenten Aslaw Maschadow, wegen Fluchtgefahr eine 13-tägige Haft an. Justizministerin Lene Espersen sagte, wenn Russland auf die Todesstrafe verzichte, bestehe die Möglichkeit, Sakajew auszuliefern. Der Tschetschenen-Politiker hatte am Montag und Dienstag an einer Konferenz tschetschenischer Gruppen in der dänischen Hauptstadt teilgenommen.

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