"Keine dauerhafte Wachstumsschwäche"
Siemens baut auf den Weihnachtsmann

Siemens erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen größeren Anteil am hart umkämpften Markt für Mobiltelefone. Vorstandschef Heinrich von Pierer sagte am Donnerstag, der Münchener Industriekonzern bewege sich zwar auch im Geschäftsjahr 2002/03 in einem schwierigen Umfeld, stelle sich aber nicht auf eine dauerhafte Wachstumsschwäche ein.

Reuters MÜNCHEN. Der viertgrößte Hersteller von Mobilfunktelefonen will überproportional zum Markt wachsen. Das solle aber nicht durch einen "verrückten Preiskampf" geschehen, sondern durch Produktinnovationen, sagte von Pierer.

Handy-Marktanteil soll weiter wachsen

Auf der Siemens-Bilanzpressekonferenz in München sagte von Pierer, der weltweite Handy-Marktanteil solle von aktuell rund acht Prozent weiter wachsen. Zuvor hatte er in Fernsehinterviews gesagt, es werde ein Marktanteil von neun Prozent angestrebt. Dafür gebe es einen festen Zeitrahmen. Er erwarte für das Weihnachtsgeschäft, in dem traditionell viele Mobiltelefone verkauft werden, gute Ergebnisse für Siemens.

Im Mobiltelefon-Geschäft werde es zu weiteren Kooperationen kommen, sagte von Pierer. Berichte, wonach Siemens mit Motorola darüber verhandle, seine Handy-Fertigung im Tausch gegen Motorola-Aktivitäten abzugeben, kommentierte der Vorstandschef nicht. Siemens und Motorola kooperieren bereits bei der neuen Handy-Generation UMTS.

Keine Trendwende zum Schlechteren

Siemens richtet sich nach den Worten des Vorstandschefs nicht auf eine dauerhafte Wachstumsschwäche ein. Dass Siemens nach dem leichten Umsatzrückgang im vergangenen Geschäftsjahr im laufenden Jahr erneut einen "Volumenrückgang" erwarte, bedeute keine Trendwende zum Schlechteren, sagte von Pierer. "Ob wir uns darauf auf Dauer einstellen? Natürlich nicht", sagte er. An den Rückgängen im vergangenen und im laufenden Jahr seien neben der Konjunkturschwäche zum Teil Firmenverkäufe schuld. Die Siemens-Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag 0,2 Prozent auf 49 Euro, während der Deutsche Aktienindex zur gleichen Zeit um 1,7 Prozent im Plus notierte.

Üerraschendes Rating von Moody's

Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger zeigte sich überrascht darüber, dass der Kreditbewerter Moody's am Vortag seinen Ratingausblick für Siemens von "stabil" auf "negativ" gesenkt hatte. "Wir hatten vereinbart, uns in zwei Wochen zu treffen", sagte er Reuters. "Es ist überraschend, dass sie ihren Ausblick angepasst haben, ohne mit der Gesellschaft zu sprechen."

Moody's hatte erklärt, trotz der starken Liquiditätsposition des Konzerns spiegle der negative Ausblick den Abstufungsdruck wider, den Siemens spüren werde, falls der Konzern hinter seinen Profitabilitätszielen zurückbleibe.

Ertragswende in den USA

In seinem wichtigsten Regionalmarkt USA erreichte Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr die Ertragswende. Nach einem Verlust von 603 Millionen Euro im Vorjahr sei 2001/2002 ein Gewinn von 823 Millionen Euro nach Steuern erzielt worden, teilte Deutschlands drittgrößter Industriekonzern weiter mit. Das sei zum Teil durch sinkende Firmenwert-Abschreibungen verursacht worden, aber auch durch gute Ergebnisse der Bereiche Medizintechnik und Energieerzeugung. Der Umsatz sei um vier Prozent auf 20,3 Milliarden Euro gesunken.

Für das kleine Geschäftsfeld der Hörgeräte zeigte sich von Pierer zuversichtlich, was neue Kundenschichten angeht. "Ich sehe ja, wie die jungen Leute in die Disco gehen", sagte er. "Das sind unsere zukünftigen Kunden".

Anspruchsvolles konjunkturelles Umfeld

Obwohl das konjunkturelle Umfeld auch 2003 anspruchsvoll bleibe, gelte weiter das Ziel, die Ergebnisse der operativen Bereiche im laufenden Jahr zu verbessern, sagte von Pierer. Siemens hatte die Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 bereits Mitte November vorgelegt. Danach stieg der Überschuss um 24 Prozent auf 2,597 Milliarden Euro stieg. Der Konzernumsatz sank zugleich um drei Prozent auf 84,016 Milliarden Euro.

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