Keine Dividende
Bankgesellschaft: Tumulte auf der Hauptversammlung

Die Bankgesellschaft Berlin will sich stärker regional ausrichten und künftig eher Rücklagen bilden als eine Dividende zahlen.

Reuters BERLIN. Bankgesellschafts-Vorstandschef Hans-Jörg Vetter sagte bei der teilweise tumultartigen Hauptversammlung am Freitag in Berlin, der Konzern solle sich in Zukunft auf die Eckpfeiler "Rentabilität, Retail und Region" konzentrieren. Sollte die Bank in den nächsten Jahren wieder Gewinne machen, müsse die Stärkung der Rücklagen Vorrang vor der Wiederaufnahme der Dividendenzahlung haben.

Vetter bekräftigte, dass die Bank auch 2002 einen Fehlbetrag aufweisen, den operativen Verlust aber deutlich senken werde. Die Bankgesellschaft stehe erst am Anfang der Sanierung und habe noch eine "schweren Weg" vor sich.

Demonstranten unterbrachen Vetters Rede wiederholt und wurden nach einem kurzen Gerangel des Saales verwiesen. Aktionärsvertreter kritisierten das Management und sprachen sich für eine konsequente Strafverfolgung für Verantwortliche der Krise der Bank aus.

Die zentrale Erkenntnis aus der Krise der Bankgesellschaft ist nach den Worten Vetters, dass der Konzern nur mit einer Neuausrichtung den an "ihn gestellten Erwartungen und den Herausforderungen der Zukunft" gerecht werden kann. "Die Bankgesellschaft Berlin wird sich auf ihre regionalen Wurzeln besinnen und als starke und effizient strukturierte Bank für die Region ausrichten."

Vetter ist seit Dezember als Vorstandschef im Amt und trat bei der Hauptversammlung erstmals vor die rund 1500 anwesenden Aktionäre. Er forderte sie auf, der Detailvereinbarung zwischen der Bank und dem Land Berlin zuzustimmen. Diese sieht die Übernahme von Immobilienrisiken der Bank in den nächsten 30 Jahren von maximal 21,6 Milliarden Euro durch das Land vor.

Vetter sagte, die Bank hätte ohne diese so genannte Risikoabschirmung auch 2001 einen Verlust in Milliardenhöhe erlitten. Ein positives Votum galt als sicher, da das Land Berlin rund 81 Prozent an der Bank hält.

Vergangenes Jahr hatte die Bank nur dank der Haftungsübernahme einen vergleichsweise geringen Verlust von 112 Millionen Euro verbucht nach einem Minus von 1,65 Milliarden Euro im Jahr zuvor. In den vergangenen vier Jahren hat die Bank letztmals 1999 mit 0,60 Euro je Aktie eine Dividende gezahlt. Auch für 2002 ist keine Ausschüttung geplant.

Vetters knapp einstündige Rede wurde mehrfach gestört. Eine Frau, die ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Berlin ist pleite und ich bin schuld" trug, forderte Vetter auf, es anzuziehen und warf der Bankführung Schuld an der Finanznot des Landes Berlins vor.

Wenig später rissen sich mehrere junge Menschen T-Shirts mit der Aufschrift "Mein letztes Hemd" vom Leib und warfen sie in Richtung Vetter und des Aufsichtsratschefs Ernst-Otto Sandvoß. Einige gelangten mit nacktem Oberkörper auf das Podium von Vorstand und Aufsichtsrat.

Die "Initiative Berliner Bankenskandal" hatte zuletzt eine Liste von Fondszeichnern der Fonds der Bankgesellschaft veröffentlicht und die Zeichner aufgerufen, auf marktunübliche, hohe Garantieleistungen zu verzichten oder ihre Anteile zurückzugeben.

Ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sprach sich gegen die Entlastung von Aufsichtsratsmitgliedern aus, die "mit der Kontrolle des Vorstands scheinbar komplett überfordert und mitverantwortlich für die desaströse Lage der Gesellschaft" gewesen seien. Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte: "Schlechter kann man eine Bank nicht führen."

Für ihre Zukunftssicherung muss sich die Bank nach den Worten Vetters ihrer Vergangenheit offen stellen. Endgültige Ergebnisse zu konzernweiten Sonderprüfungen besonders zu Immobilien- und Kreditgeschäften lägen noch nicht vor. Fehlverhalten von Verantwortlichen hätten aber bereits zur fristlosen Kündigung und zur Prüfung von Regressansprüchen geführt, sagte Vetter. Wegen laufender Sonderprüfungen sollen frühere Vorstandsmitglieder wie der Ex-Bankchef Wolfgang Rupf nicht entlastet werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%