Keine Dividendenzahlungen: Software-Gigant Microsoft lässt Investoren hoffen

Keine Dividendenzahlungen
Software-Gigant Microsoft lässt Investoren hoffen

Das Jahr 2001 hätte eines der schlechtesten in der Geschichte von Microsoft sein können. Doch das Gegenteil war der Fall. Das Jahr war mit einem Zuwachs von rund 56 % der "Performance-Sieger" des Jahres 2001 unter den 30 Blue-Chip-Werten des Dow Jones Industrial Average.

HB PALO ALTO. Und das in einem Jahr, in dem der mit Technologiewerten gespickte Nasdaq Composite Index mit einem Verlust von 19,6 % im Jahresvergleich schloss.

Die Gründe für dieses positive Ergebnis lagen in erster Linie in der für Microsoft günstigen Entwicklung des Kartellverfahrens. Schwebte zu Beginn des vergangenen Jahres noch das Damoklesschwert einer drohenden Zerschlagung über dem Softwarehaus, so ist diese Frage seit Mitte 2001 vom Tisch. Nach einer Korrektur des Urteils der ersten Instanz durch ein Berufungsgericht verzichteten das US-Justizministerium und 18 mitklagende Bundesstaaten auf eine Aufspaltung des Unternehmens.

Diese Entscheidung befreite die Aktie des größten Softwarehauses der Welt von einem gewaltigen Druck und gab den Investoren neue Hoffnung, dass sich das Microsoft-Papier wieder zu seiner alten Stärke aufschwingen könnte. Die geglückte Markteinführung des neuen Betriebssystems Windows XP im Oktober 2001 und das Debüt der Spielekonsole Xbox im November sorgten ebenfalls für das überraschende Jahresergebnis. Analyst Rob Enderle von der Giga Information Group nannte dies "ein erstaunliches Jahr angesichts der Umstände, in denen sich die Wirtschaft derzeit befindet".

Dennoch ist die Microsoft-Aktie, die sich derzeit zwischen 60 und 70 Dollar bewegt, noch weit von ihrem Drei-Jahres-Hoch von 119,13 Dollar (27.12.99) entfernt. Die schwache Resonanz auf die Markteinführung des neuen Bürosoftwarepaktes Office XP, bescheidene Ergebnisse der Fernseh-Software Ultimate TV sowie Investitionsverluste in Unternehmen der Telekommunikation und der Internet-Technologie zeigen, dass Microsoft trotz seines Monopols bei Arbeitsplatzsoftware (desktop) hart um Erfolge in neuen Gebieten kämpfen muss. Sicherheitsmängel bei Windows XP wie auch bei einigen Varianten der Server-Software geben wenig Anlass, für erneute Euphorie.

Prall gefüllte Kriegskasse

Mit einer prall gefüllten "Kriegskasse" von 36 Mrd. Dollar in bar und kurzfristigen Anlagen ist das von Bill Gates und Steve Ballmer geführte Softwarehaus besser gerüstet als alle anderen Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Im Vergleich dazu haben General Electric "nur" 8,8 Mrd. Dollar und IBM vier Mrd. Dollar als Bargeldreserven auf der hohen Kante.

Vor diesem Hintergrund wird nach einem Bericht des Wall Street Journals der Ruf nach einer Dividendenzahlung durch Microsoft immer lauter. Vor allem Steve Milunovich, führender Technologie-Stratege bei Merrill Lynch, macht sich für die Ausschüttung einer Dividende stark. Nach seinen Ermittlungen stammen etwa 19 % des Einkommens von Microsoft aus Zinseinkünften des Barvermögens. Firmen wie Microsoft würden zu "maturing cash maschines", alternden Geldmaschinen. Microsoft verzichtet aber nach eigenen Angaben auf die Zahlung von Dividenden, um auf unvorhersehbare Ereignisse flexibel reagieren zu können. Zudem will das Softwarehaus in der Lage sein, eventuelle Strafen in den derzeit laufenden US- und EU-Kartellverfahren zu zahlen. Konzern-Chef Steve Ballmer hat deshalb bislang eine Dividenden-Ausschüttung kategorisch abgelehnt.

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