Keine Eifersüchteleien
Schwimmer entdecken bei EM den Teamgeist

Einstige Individualisten werden zu "Herdentieren", alte Streitereien scheinen völlig vergessen, dem Erfolg ordnen sich "35 Sturköpfe", wie Franziska van Almsick sich und ihre Kollegen bezeichnet, bedingungslos unter.

HB BERLIN. Deutschlands Schwimmer wissen: Nur gemeinsam sind sie stark. Und sie alle wissen, wem sie das neue Wir- Gefühl zu verdanken haben. "Wie er uns führt, das ist schon der Hammer", schwärmte "Franzi" am Montag nach Doppel-Gold der deutschen Freistilstaffeln über 4 x 100 m und einem Traum-Weltrekord des Frauen-Quartetts von Ralf Beckmann. Die Berlinerin musste erst wieder Teil dieser neuen Mannschaft werden. Die anderen hatten sich schon bei der WM in Fukuoka mit dem WM-Titel zusammengefunden und das Olympia-Debakel abgehakt. "Franzi" beendete mit der EM ihre zweijährige Pause. "Das war nicht leicht für mich", verriet sie, "es gab ein Zusammenraufen. Und dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich danach eingestellt hat, kenne ich fast gar nicht. Jetzt haben wir alle kleine Flügel auf dem Rücken."

Der neue Umgang miteinander sei von gegenseitigem Respekt geprägt. Franziska van Almsick: "Ich habe in Sydney eine extreme Erfahrung gemacht. Die möchte ich niemals wieder machen. Aber wir gehen seit Sydney auch viel feinfühliger miteinander um, haben mehr Respekt vor den Leistungen der anderen. Wir haben einen großen und wichtigen Schritt gemacht." Das sieht auch Sandra Völker so: "Bei uns herrscht mehr Harmonie." Sie sind keine Gegner mehr, keine eifersüchtigen Sticheleien mehr. Die, die sich früher nie ganz grün waren, wollen gemeinsam den Erfolg. Ausgangspunkt der Neuorientierung ist für beide Beckmann. Franziska van Almsick: "Er hat uns alle wieder zusammengeführt."

Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), bezeichnet den 55-Jährigen als "Glücksgriff, der seine Position zu 100 Prozent ausfüllt". Seit eineinhalb Jahren ist der frühere deutsche Rücken-Meister Cheftrainer eines Verbandes, der 2000 in Sydney sein sportliches Waterloo erlebte. "Drei Beckmänner, und wir sind nicht mehr zu halten", betonte Christa Thiel. Kleine Signale sind es, die das neue "Wir" ausmachen. Sandra Völker blickte ihrer Staffel-Kollegin Petra Dallmann nach dem Berliner EM-Coup mit Gold und Weltrekord mit einem strahlenden Lachen in die Augen, jubelte: "Hej, wir sind gerade Weltrekord geschwommen." Bei der Siegerehrung wollen sie gemeinsamen "La Ola" auslösen, was allerdings noch nicht so recht klappte. Was funktioniert, ist das Team. Da sitzt keiner mehr teilnahmslos auf der Athleten-Tribüne, wenn andere im Wasser sind. "Er pusht uns" - Franziska van Almsick erlebt ihr internationales Comeback nach zwei Jahren Abstinenz unter Beckmann völlig neu. "Er hat mir eindeutig signalisiert, dass er zu mir steht, egal, was passiert."

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