Keine eigenen Veranstalter in Frankreich
Thomas Cook bereitet Einstieg in neue Märkte vor

Der Chef des zweitgrößten europäischen Reisekonzerns erwartet zwar auch in den angestammten Touristikmärkten wie Deutschland und Großbritannen vom nächsten Jahr an weiterhin Zuwächse zwischen vier und fünf Prozent im Jahr bei Pauschalreisen.

Reuters OBERURSEL. Dennoch sei es auch zur besseren Auslastung eigener Kapazitäten wichtig, außerhalb Europas neue Märkte zu erschließen, sagte Pichler am Wochenende in einem Interview. Der erste Schritt soll ein Ausbau des Geschäfts in Indien sein, wo Thomas Cook bereits über Reisebüros verfügt.

"Thomas Cook will Pauschalreisen für Inder nach Europa und anderswo anbieten", sagte Pichler. "Wir befinden uns in konkreten Gesprächen mit der indischen Regierung über eine entsprechende Genehmigung." Die eigene Charterfluggesellschaft Condor fliege bereits Pauschalurlauber aus Europa nach Indien. Um auf dem Rückflug indische Urlauber nach Europa zu transportieren, brauche Condor entsprechende Verkehrsrechte. Pichler geht davon aus, dass die Pläne in Indien innerhalb der nächsten beiden Jahre Realität werden könnten.

"Indien hat als Markt für Pauschalreisen ein großes Wachstumspotenzial", sagte Pichler. Rund vier Millionen Inder würden bislang pro Jahr im Ausland Urlaub machen, davon gerade eine halbe Million mit Pauschalreisen. Die gemeinsame Tochter der Konzerne Lufthansa und Karstadt-Quelle verfügt mit Thomas Cook India bereits über eine Basis in Indien, auf die sich Pichler stützen will. Das 121 Jahre alte börsennotierte Unternehmen ist mit 52 Niederlassungen bereits Indiens größter Anbieter von Reisen und Finanzdienstleistungen.

Großes Wachstumspotenzial in China

Zweiter großer Wachstumsmarkt der Zukunft in der Touristik ist nach Ansicht Pichlers China. Auch dort gebe es großes Interesse an Pauschalreisen. Thomas Cook habe bereits erste Kontakte mit chinesischen Reiseunternehmen geknüpft. Bislang zähle China pro Jahr gerade mal zehn Millionen Auslandsreisende.

"Wir müssen nach anderen Märkten Ausschau halten, die eine andere Saisonalität habe", sagte Pichler. In Europa fallen rund drei Viertel des Geschäfts im Sommer an und ein Viertel in der Wintersaison. Der Ausbau außereuropäischer Märkte könne dazu dienen, eigene Kapazitäten besser auszulasten.

Zurückhaltender beurteilt der Cook-Chef die Chancen für einen Einstieg auf dem US-Markt. "Der Reisemarkt in den USA ist sehr stark durch kürzere Trips geprägt und bisher kaum durch Pauschalreisen. Das wäre sicherlich ein Wachstumsmarkt. Aber für die Amerikaner braucht man ein stark verändertes Angebot", sagte Pichler. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könne sich in Nordamerika aber ein stärkeres Engagement entwickeln. Thomas Cook verfügt bereits über Reisebüros in Kanada. "Wir haben also in Nordamerika einen Brückenkopf und schauen uns das in Ruhe an."

In Europa sieht Pichler vor allem in Frankreich und Osteuropa überdurchschnittliches Potenzial für Pauschalreisen. In der Slowakei, in Ungarn, Polen und Slowenien sei Cook bereits mit der Marke Neckermann präsent. "Das entwickeln wir weiter."

In Frankreich werde Cook anders als Preussag vorerst keinen eigenen Veranstalter übernehmen, sondern sich aus eigener Kraft entwickeln. Mit dem Kauf des Havas-Vertriebes sei Cook zunächst zufrieden. Pichler verwies auf die Probleme der großen französischen Veranstalter. Der Preussag-Partner Nouvelles Frontieres hatte zuletzt erhebliche Verluste geschrieben, ebenso der Club Mediterrannee.

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