Keine Einigung auf Krisenplan
Irak-Krise stellt Opec vor schwere Zerreißprobe

Die Irak-Krise stellt die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) vor ihre bisher schwerste Zerreißprobe. Das Ölkartell ist so tief gespalten wie nie zuvor, das haben die letzten Beratungen der Fachminister gezeigt.

HB/dpa WIEN. Zum zweiten Mal in Folge fassten sie keine konkreten Beschlüsse - außer jener, die täglichen Förderquoten mit 24,5 Mill. Barrel (zu je 159 Liter) unverändert zu lassen, obwohl klar ist, dass sich kaum ein Mitglied mehr an diese Mengen hält.

Der Bruch trat spätestens am Dienstag bei der Halbjahrestagung in Wien zu Tage: Die Opec-Führung war mit dem erklärten Ziel nach Wien gekommen, einen Krisenplan für den Fall zu erstellen, dass die USA ihre Kriegsdrohungen wahr macht und mit ihren Verbündeten im Irak einmarschiert. Von einer Aufgabe des bisherigen Quotensystems war da die Rede gewesen. Später hatte es geheißen, die Opec würde für den Ernstfall eine Erhöhung der Produktion um bis zu 20 % beschließen.

Spätestens bei der Ankunft des iranischen Ölministers Bijan Namdar Zangeneh in Wien war aber klar: Auch dieses Ansinnen würde nicht halten. Mit seiner Erklärung, die Opec müsse jeden Anschein einer politischen oder wirtschaftlichen Unterstützung für die USA vermeiden, wischte er alle vorher geäußerten Pläne vom Tisch - und setzte sich am Ende auch durch. In der Abschlusserklärung wird die Irak-Krise nicht einmal ansatzweise erwähnt.

Was blieb, war ein Satz, der die Händler beruhigen und - wenn auch sehr vage formuliert - klarstellen sollte: Die Opec wird keine Engpässe auf den internationalen Rohölmärkten zulassen: "In Zukunft wird die Opec die Marktentwicklungen sehr genau beobachten und angemessen und sofort reagieren, wenn und sobald dies notwendig wird." Ergänzt wurde dies durch die optimistische Ankündigung, am 11. Juni in Doha, der Hauptstadt des turnusgemäßen Opec-Vorsitzlandes Qatar, einen Sonderministerrat abzuhalten.

Qatar ist im Falle eines Irak-Krieges wie das Opec-Mitglied Kuwait als Aufmarschgebiet der US-Truppen vorgesehen. Da klangen die Worte des Opec-Präsidenten und Energieministers von Qatar, Abdullah bin Hamad Al Attiyah, der bei der Abschluss-Pressekonferenz auf die Irak- Krise angesprochen wurde, beinahe schon beschwörend: "Natürlich hoffen wir, dass diese Situation nie eintritt."

Qatar, Kuwait und Saudi-Arabien, wo ebenfalls US-Kräfte stationiert sind, waren es denn auch, die sich offen für eine Freigabe oder Erhöhung der Förderquoten aussprachen. Sie fördern freilich dem Vernehmen nach ohnehin schon am Rande ihrer Kapazitäten. Den Gegenpol innerhalb der Opec bilden die islamischen Staaten wie Iran oder Indonesien, die einen US-Angriff schon aus ihrer grundsätzlich kritischen Haltung dem Westen gegenüber ablehnen. Da macht es auch nichts aus, dass Iran und Irak vor gar nicht all zu langer Zeit noch selbst erbitterte Kriegsgegner waren.

Die Analysten gehen daher davon aus, dass im Falle eines Irak- Krieges die Rohölpreise auf bis zu 40 Dollar je Barrel und damit den höchsten Stand seit Beginn der 90er Jahre steigen dürften. Am Dienstag notierte Opec-Öl bei 32,54 Dollar je Barrel, nach 33,11 Dollar am Tag zuvor. Die Nordsee-Sorte Brent kostete am Mittwoch in London 33,10 Dollar.

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