Keine Einigung mit IWF
Argentinien lässt Weltbank-Kredit platzen

Das hoch verschuldete Argentinien hat sich auch im Verhältnis zur Weltbank faktisch für teilweise zahlungsunfähig erklärt. Obwohl am Donnerstag die Rückzahlung von 805 Mill. $ (805 Mill. Euro) an die Weltbank fällig wurde, kündigte Kabinettschef Alfredo Atanasof an, es würden nur aufgelaufene Zinsen im Umfang von 77 Mill. $ gezahlt.

HB/dpa BUENOS AIRES/WASHINGTON. Atanasof bat zugleich um eine weitere Stundung des restlichen Betrages, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen und eine formelle Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Zur Begründung sagte Atanasof, die Devisenreserven Argentiniens seien bereits zu gering, um den vollen Betrag zu begleichen. Die Devisenmenge werde dann unter das vom Internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlene Niveau absinken.

Es mache keinen Sinn, an die Staatsreserven zu gehen, wenn damit die Wirtschaft gefährdet werde, sagte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna nach Gesprächen bei der Weltbank in Washington.

Argentinien ist bereits seit Jahresbeginn im Verhältnis zu seinen privaten Gläubigern zahlungsunfähig. Die Anleger erhalten deshalb seither keine Zinsen oder Rückzahlungen mehr. Insgesamt schleppt das in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte steckende Land einen Schuldenberg von mehr als 150 Mrd. $ mit sich herum.

Fast einjährige Verhandlungen mit dem IWF haben bisher keine Einigung gebracht. Der Fonds stellt nach Ansicht der argentinischen Regierung unerfüllbare Bedingungen und übersehe die Erfolge der Regierung von Präsident Eduardo Duhalde.

Lavagna hatte in den vergangenen Tagen in Washington vergeblich versucht, eine neue Einigung mit dem IWF auf die Beine zu stellen. Dabei geht es unter anderem um die Umschuldung von Krediten, die bis Ende des Jahres zurückgezahlt werden müssen. Insgesamt schuldet Argentinien dem IWF, der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank 2,4 Mrd. $.

Die argentinische Regierung hatte die Rückzahlung an die Weltbank immer von einer solchen Vereinbarung abhängig gemacht. "Wir werden die Rückzahlung des Kapitals zurückstellen, bis wir eine Vereinbarung mit dem IWF haben", sagte Lavagna nach eigenen Angaben dem Vizepräsidenten der Weltbank für Lateinamerika, David de Ferranti.

Der Kredit war eigentlich schon am 15. Oktober fällig. In den ersten 30 Tagen hält die Weltbank jedoch still. Mit der endgültigen Entscheidung, das Geld nicht zu überweisen, wird Argentinien ab sofort keine neuen Weltbank-Krediten mehr bekommen. Die Auszahlung von Tranchen bereits gewährter Kredite wird ebenfalls eingestellt, wenn das Geld nicht bis zum 15. Dezember eingeht. Zudem werden auf den Kredit wesentlich höhere Zinsen fällig.

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