Keine Einigung über Arbeitszeiten erwartet
Tarifverhandlungen für Ost-Stahlindustrie vertagt

Begleitet von Streiks zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche sind die Tarifverhandlungen für die ostdeutsche Stahlindustrie ohne konkrete Fortschritte vertagt worden.

Reuters BERLIN. Vertreter von IG Metall und Arbeitgebern teilten nach den Gesprächen am Dienstag in Berlin mit, die Verhandlungen würden am Freitag fortgesetzt. IG-Metall-Verhandlungsführer Hasso Düvel erklärte: "Die Positionen liegen noch deutlich auseinander, doch wir bleiben im Gespräch." Die Streiks würden fortgesetzt, bis eine Lösung erreicht sei. Arbeitgeber-Chefunterhändler Helmut Koch hatte vor den Gesprächen auf die schwierige Lage der Branche in Ostdeutschland verwiesen. Die IG Metall fordert die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche sowohl in der Stahlindustrie als auch in der Metall- und Elektroindustrie in Ostdeutschland. Derzeit müssen Stahl- und Metallarbeiter in tarifgebundenen ostdeutschen Unternehmen pro Woche 38 Stunden arbeiten. Zur Durchsetzung ihrer Forderungen bestreikt die IG Metall seit Montag Stahl- und Metallbetriebe vornehmlich in Brandenburg und Sachsen.

Bei den Stahl-Tarifverhandlungen in Berlin ging es nach Angaben einer IG-Metall-Sprecherin um die 5300 Beschäftigten von sieben tarifgebundenen Firmen in Ostdeutschland. Die Mitarbeiter dieser Betriebe hätten am Dienstag gestreikt. Mit zehn weiteren Stahlfirmen in den neuen Ländern habe die Gewerkschaft Haustarifverträge abgeschlossen. Bislang haben die Arbeitgeber in den Verhandlungen für die Stahlindustrie kein Angebot vorgelegt. Insgesamt beschäftigt die Stahlindustrie in Ostdeutschland etwa 9000 Menschen.

Düvel sagte, trotz der Bereitschaft zu einem langen Streik halte er eine Lösung am Verhandlungstisch für möglich. Die Senkung der Arbeitszeit im Osten sei möglich, weil Kennziffern wie Wachstum, Umsatz und Produktivität bei der Stahl- und Metallindustrie im Osten nach oben wiesen. Für die Arbeitgeber sagte deren Verhandlungsführer Koch, viele Stahlkonzerne hätten bei ihren Investitionen in Ostdeutschland die längeren Arbeitszeiten berücksichtigt. Schon jetzt gingen die Kosten des Streiks "in die Millionen".

Die Streiks in der Metallindustrie in Sachsen wurden am Dienstag fortgesetzt. An den Arbeitsniederlegungen vornehmlich im Raum Chemnitz und Zwickau beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben knapp 7500 Beschäftigte. Im Ostteil Berlins und in Brandenburg findet am Donnerstag und Freitag eine Streikurabstimmung statt. Das Ergebnis will die IG Metall in einer Woche bekannt geben. Für Mittwoch hat die Gewerkschaft in Brandenburg zu Warnstreiks unter anderem bei DaimlerChrysler , ThyssenKrupp und MTU aufgerufen. Die Metallarbeitgeber in Berlin und Brandenburg warfen der IG Metall vor, ohne Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage der Betriebe einen "Flächenbrand" entfachen zu wollen.

Im laufenden Tarifkonflikt wollen die Metall-Arbeitgeber auf das Mittel der Aussperrung verzichten. "In der ostdeutschen Metallindustrie halten wir einen Arbeitskampf für ausgesprochen schädlich", sagte Gesamtmetallpräsident Martin Kannegießer in der ARD. Deshalb werde über Aussperrungen gegenwärtig überhaupt nicht nachgedacht.

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