Keine Empfehlung vom Wella-Vorstand
Wella-Aktionäre üben harsche Kritik an P&G-Offerte

Wie erwartet haben Aktionärsvertreter das Übernahmeangebot des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G) für die Vorzugspapiere der Wella AG heftig kritisiert.

Reuters FRANKFURT. "Es tut sich ein Abgrund an Aktienunkultur" auf, sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auf der Wella-Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt. "In keinem anderen zivilisierten Land wäre eine derartige Ungleichbehandlung zweier Aktiengattungen möglich." Grund der Kritik ist die Differenz zwischen dem P&G-Angebot für die stimmberechtigten Stammaktien und der Offerte für die stimmrechtslosen Vorzüge der Wella AG. Während der US-Konzern für die überwiegend von Familienaktionären gehaltenen Stämme 92,25 ? zahlen will, bietet er für die vor allem im Streubesitz umlaufenden Vorzügen lediglich 65 ?.

Der Vorstand der Wella AG hatte zuvor weiterhin keine Empfehlung an seine Aktionäre abgeben wollen, ob sie das P&G-Übernahmeangebot annehmen oder ablehnen sollen. "Diese Entscheidung muss jeder Aktionär selbstverständlich in eigener Verantwortung fällen", sagte Konzernchef Heiner Gürtler. Die Entscheidung der Vorstandsmitglieder, die von ihnen gehaltenen Wella-Papiere an P&G zu verkaufen, stelle keine Empfehlung des Gremiums an die Aktionäre dar, betonte er. Zugleich verwies Gürtler erneut auf die geschäftlichen Möglichkeiten und Perspektiven der fusionierten Gruppe.

P&G hatte in einem überraschenden Schritt vor einigen Wochen von den Wella-Familienaktionären knapp 78 % der Stammaktien erworben und sich damit die Macht über den Haarpflegekonzern gesichert. Zugleich legte das US-Unternehmen den außenstehenden Vorzugsaktionären zunächst ein Übernahmeangebot in Höhe von 61,50 ? vor, das später auf 65 ? aufgestockt wurde.

Aktionärsvertreterin Keitel und ihr Kollege Peter Barth von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) nahmen vor allem die Familienaktionäre und den Aufsichtsrat ins Visier, in dem die Nachfahren von Wella-Gründer Franz Ströher vertreten sind. "Die Familien machen sich die Taschen voll, und die Vorzugsaktionäre bleiben auf der Strecke", sagte Barth. "Firmengründer Franz Ströher wäre enttäuscht von der Familie und hätte dem einen Riegel vorgeschoben."

Sowohl Barth als auch SdK-Sprecherin Keitel wiesen die P&G-Offerte für die Vorzugsaktien zurück und forderten eine Nachbesserung. Ein Kleinaktionär rief unter lautem Beifall der einigen hundert anwesenden Anteilseigner aus, er wolle den Kampf gegen die P&G-Offerte aufnehmen."Wella wird noch hohe Wellen schlagen", prophezeite er.

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