Keine Entschuldigung - Besatzung konnte offenbar Geheimdaten zerstören
USA "bedauern" Tod des chinesischen Piloten

Die USA haben am Mittwoch ihr "Bedauern" über den Tod eines chinesischen Piloten bei der Kollision mit einem amerikanischen Aufklärungsflugzeug ausgedrückt. Eine Entschuldigung, wie sie am Mittwoch der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin gefordert hat, lehnte die US-Regierung aber weiter ab.

dpa/rtr WASHINGTON/PEKING. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, sagten die Sprecher des Weißen Hauses und des Außenministeriums, Ari Fleischer und Richard Boucher.

"Wir bedauern, dass das chinesische Flugzeug nicht sicher gelandet ist, und wir bedauern den Verlust des Lebens des Piloten", sagte Außenminister Colin Powell vor Journalisten in Washington. Nun müsse man sich darauf konzentrieren, die Angelegenheit beizulegen. Powell sprach sich zugleich für einen verstärkten Dialog mit China aus, damit beide Seiten ihre Haltung erklären könnten.

Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush China gewarnt, der Zwischenfall habe das Potenzial, den Beziehungen beider Staaten zu schaden. Er forderte China erneut nachdrücklich auf, die auf der südchinesischen Insel Hainan festgehaltene Maschine und ihre 24- köpfige Besatzung sofort herauszugeben. Der Zwischenfall könne "unsere Hoffnungen auf künftige fruchtbare Beziehungen unterhöhlen", warnte der Präsident. Bush teilte mit, dass die Besatzung bei guter Gesundheit sei. "Sie sind nicht verletzt und misshandelt worden". Aus Kreisen des amerikanischen Verteidigungsministeriums verlautete, die Flugzeugbesatzung habe rechtzeitig alle Geheimdaten zerstören können.

Powell forderte China ebenfalls zur Übergabe der Crew auf. Auf dem Rückflug von Key West in Florida nach Washington sagte Powell am späten Dienstagabend: "Es gibt bereits jetzt einen gewissen Schaden. Die chinesische Reaktion auf all dies ist unangemessen und unehrenhaft." Nach den Worten des Außenministers befindet sich die Besatzung in chinesischem "Gewahrsam". "Sie werden ohne jede Verbindung zur Außenwelt festgehalten, unter Umständen, die ich für nicht akzeptabel halte."

China hat den USA indes Arroganz und Verdrehung der Tatsachen vorgeworfen. Außenminister Tang Jiaxuan habe US-Botschafter Joseph Prueher einbestellt und sich beschwert, dass die USA die Verantwortung für die Kollision ihres Flugzeugs mit einem chinesischen Abfangjäger ablehnten, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch.

Staatspräsident Jiang Zemin wies den USA am Mittwoch vor seinem Abflug nach Lateinamerika erneut die volle Verantwortung zu und bekräftigte die Forderung nach einer offiziellen Entschuldigung. Der US-Botschafter in China, Admiral Joseph Prueher, wurde ins chinesische Außenministerium bestellt.

Chinas Botschafter in Washington, Jang Jiechi, warf der US-Crew vor, die Kollision mit dem chinesischen Kampfjet verursacht zu haben. Das US-Flugzeug habe den Jet durch einen plötzlichen Schwenk gerammt, sagte der Diplomat in einem Interview des US-Nachrichtensenders CNN. Das US-Militär beharrt darauf, dass sich das Flugzeug vom Typ EP-3E auf einer Routinemission in internationalem Luftraum befand, als es am Sonntag mit einem chinesischen Kampfflugzeug zusammenstieß.

In dem Konflikt wurden im Weißen Haus auch Sanktionen gegen China nicht länger ausgeschlossen. So wurde eine Absage des für Oktober geplanten Bush-Besuchs in Peking erwogen. Auch über einen Abzug von US-Diplomaten werde beraten. Dies seien aber alles nur erste Überlegungen, betonten Mitarbeiter des Weißen Hauses.

Wie CNN unter Berufung auf Pentagon-Kreise weiter berichtete, konnte die amerikanische Besatzung vor der Notlandung in China alle wichtigen Dateien und hochmodernen Geräte an Bord ihrer Maschine vernichten. Dies ist bei allen Notfallsituationen während Aufklärungsflügen Pflicht. Allerdings war die Maschine bei der Kollision an der Nase und an den Propellern stark beschädigt worden, so dass der Mannschaft nur wenig Zeit bis zur Notlandung blieb. Deshalb war zunächst befürchtet worden, dass die Crew die Anlagen nicht zerstören konnte.

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