Keine Entspannung in Sicht
Preise für Speicherchips rutschen weit unter Produktionskosten

Ein Standard-Speicherchip (SDRAM) mit 128 Megabyte (MB) kostet auf dem Spot-Markt für kurzfristige Lieferungen seit Wochen nur noch 2 $. Selbst in längerfristigen Kontrakten liegt der Preis weit unter 3 $.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Damit kann kein Hersteller Geld verdienen. Infineon etwa will die Vollkosten für seine Chips bis Ende September auf 4 $ drücken. Bei jedem Chip legt Europas zweitgrößter Produzent also bis zu 2 $ drauf.

Für die Hersteller ist es dabei nur ein schwacher Trost, dass die Kunden heute noch immer ein Fünftel mehr zahlen als vor Jahresfrist. 2001 waren die Preise auf ein Allzeit-Tief gefallen. Im Frühjahr 2002 folgte dann eine kurze Erholung, weil sich der Verkauf von Hynix, einem der größten Speicherchip-Produzenten weltweit, an den US-Konzern Micron abzeichnete. Die Märkte spekulierten darauf, dass die Amerikaner veraltete Hynix-Fabriken schließen und damit Überkapazitäten beseitigen würden. Doch die Übernahmepläne platzten und die Preise stürzten wieder ab.

Die Chip-Branche ist momentan in ihrer bislang schwersten Krise. Die gesamte Industrie leidet unter der Schwäche ihrer wichtigsten Abnehmer, der Computer-Hersteller und der Telekommunikations-Branche. Deshalb erwartet der US-Branchenverband Sia für 2002 gegenüber dem ohnehin schon schwachen Vorjahr kaum Wachstum. Erst für das nächste Jahr sehen die Experten wieder einen durchgreifenden Aufschwung.

Ein Grund für die sinkenden Speicherchip-Preise ist die unklare Zukunft des angeschlagenen Chip-Herstellers Hynix, einem der weltweit größten Speicherchip-Produzenten. Konkurrent Infineon wirft den hoch verschuldeten Koreanern vor, den Markt mit subventionierten Chips zu überschwemmen. Analysten rechnen erst wieder mit steigenden Preisen, wenn Hynix seine unrentablen Werke schließt und damit Überkapazitäten vom Markt nimmt. "Viele Hersteller geben sich statt mit echten Profiten derzeit damit zufrieden, ihre reinen Cash-Kosten der Chip-Produktion zu decken, um kurzfristig Geld in die Kasse zu bekommen", sagt Timm Schulze Melander , Technologie-Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley.

"Doch selbst wenn eine Lösung für Hynix gefunden werden sollte, beendet das nicht automatisch die Probleme der gesamten Halbleiter-Industrie", warnt Schulze-Melander, vor zu viel Euphorie. Das grundlegende Problem der Chiphersteller sei nach wie vor, dass das Angebot und die stark schwankende Nachfrage der Abnehmer nur sehr schwer in Einklang zu bringen sind. PC- und Handyhersteller haben ihre Lagerbestände wegen der unklaren Absatzaussichten in den vergangenen Monaten immer weiter abgebaut.

Und mit konkreten Prognosen halten sich die Experten derzeit stark zurück. So erwartet Morgan Stanley für das dritte und vierte Quartal zwar eine "gewisse Erholung", da nach den Sommerferien und im Weihnachtsgeschäft der Absatz von Computern und Unterhaltungselektronik traditionell zunimmt. Doch werde der Aufschwung in diesem Jahr schwächer als in den Vorjahren ausfallen.

Jedenfalls bei den PC-Verkäufen sollten die Chip-Produzenten nicht auf ein Absatzwunder zum Jahresende hoffen. Lediglich der Computer-Hersteller Dell erwartet für den Rest des Jahres ein Wachstum.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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