Keine Entwarnung für 2003
Sparkurs rettet Zahlen der US-Investmenthäuser

Die harten Sparmaßnahmen der US-Investmenthäuser zeigen Wirkung: Drei führende US-Investmentbanken übertrafen am donnerstag mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten. Allerdings spüren sie die Flaute an den Börsen und bei Fusionen und Übernahmen. Für das nächste Jahr zeigten sich Lehman Brothers Holdings Inc., Morgan Stanley und Goldman Sachs Group Inc. skeptisch.

NEW YORK. Im vierten Quartal, das im November endete, steigerte Goldman Sachs seinen Gewinn um 1,6 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum - dank harter Einschnitte bei den Personalkosten. So sanken die Lohnausgaben um 27 %. Allein im vergangenen Quartal mussten 4 % der Belegschaft gehen.

Das auf Fusionen und Übernahmen spezialisierte Wall-Street-Haus verteidigte nach eigenen Angaben seine führende Position auf diesem Gebiet. Goldman begleitete sieben der zehn größten Übernahmen dieses Jahres. "Während unser Ergebnis die Herausforderungen des Umfelds widerspiegelt, belegt es auch unsere Fähigkeit, in schwierigen Märkten zu bestehen", sagte Henry Paulson, Chairman und Vorstandsvorsitzender bei Goldman. Gleichzeitig dämpfte er die Erwartungen für das nächste Jahr: "Wir bleiben vorsichtig in unseren kurzfristigen Vorhersagen", warnte Paulson.

Auch Konkurrent Morgan Stanley übertraf beim Ergebnis vor Sonderposten von 81 Cents die Analystenprognosen, die bei 74 Cents lagen. Allerdings brach der Nettoertrag um 16 % ein. Die Bank machte dafür sinkende Einnahmen im Investment-Banking und im Aktienhandel und hohe Restrukturierungsaufwendungenvon 235 Mill. $ verantwortlich. Erfolgreich lief indes das Kreditkartengeschäft. Wie die Konkurrenz entließ die Bank Mitarbeiter und schloss Niederlassungen. Weitere Stellenstreichungen behält sich Morgan Stanley vor: "Wir haben in Hinblick auf die Zukunft entlassen, aber ich will weitere Entlassungen nicht ausschließen", sagte Finanzchef Stephen Crawford dem Handelsblatt.

Zum nächsten Jahr sagte Stephen Crawford, Finanzvorstand von Morgan Stanley, dem Handelsblatt: "Wir erwarten nicht, dass das kommende Jahr sich sehr von diesem unterscheiden wird." Ein Lichtblick war dieses Jahr die Kreditkartensparte von Morgan Stanley. Der Gewinn dieses Bereichs, der etwa ein Fünftel des Gesamtgeschäfts ausmacht, stieg im vierten Quartal um 9 % gegenüber dem Vorjahr.

Finanzchef Crawford warnte jedoch, die wirtschaftliche Lage gebe Anlass zur Sorge. "Mit dem derzeitigen Zustand der Verbraucher und der hohen Arbeitslosigkeit ist es nicht die Zeit, die Sektkorken knallen zu lassen", sagte er. Das Kreditkartengeschäft vieler US-Finanzhäuser lief dank der Kauffreude der Amerikaner dieses Jahr gut. Allerdings droht das Volumen fauler Kredite zu steigen, falls die Kunden ihre hohen Schulden bei anhaltender schwacher Wirtschaftslage nicht mehr bedienen können.

Die kleinere Investmentbank Lehman verzeichnete einen Gewinnsprung um 87 % gegenüber dem Vorjahr. Das lag zum einen an hohen Abschreibungen im vierten Quartal 2001. Lehman hatte nach den Terroranschlägen Kosten von 127 Mill. $ geltend gemacht, da die Bank nach dem 11. September in neue Büros umziehen musste. Gleichzeitig profitierte die Bank von ihrer traditionellen Stärke im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Diese Sparte läuft in Zeiten schwacher Aktienmärkte besonders gut. Mit einem Gewinn von 91 Cents je Aktie lag Lehman um 3 Cents über den Analystenprognosen.

Die US-Wertpapierbranche hat nach Angaben ihres Branchenverbandes in den vergangenen 18 Monaten 77 800 Stellen gestrichen. Im vierten Quartal entließen allein Morgan Stanley, Goldman und Lehman zusammen mehr als 3 500 Mitarbeiter. Grund: Das Investmentbanking steckt in der Krise. Den Banken fehlen lukrative Aufträge für Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Börsengänge. Laut Morgan Stanley sank die Zahl der M&A- Transaktionen in den ersten elf Monaten um 45 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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