Keine Erholung im Werbemarkt
ProSiebenSat.1-Gewinn bricht ein

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 Media ist im ersten Halbjahr 2002 heftig von der Krise des Werbemarktes gebeutelt worden und hat einen Gewinneinbruch von rund 70 Prozent verzeichnet. Die Zahlen lagen aber im Rahmen der Analystenerwartungen.

Reuters MÜNCHEN. "Das unerfreuliche Werbejahr 2002 stellt nicht nur uns, sondern die gesamte Medienbranche auf eine harte und langwierige Belastungsprobe", erklärte Vorstandschef Urs Rohner am Freitag. Der Überschuss der Tochter der insolventen KirchMedia brach in den ersten sechs Monaten auf 16 Millionen Euro von 52 Millionen Euro im Vorjahr ein. Der Umsatz fiel wie angekündigt um vier Prozent auf 985 Millionen Euro. Dabei habe der Konzern mit der Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft seine Erlösziele deutlich verfehlt, hieß es in der Mitteilung. Mit einer Markterholung rechnet ProSiebenSat.1 frühestens im vierten Quartal 2002 oder sogar erst im ersten Halbjahr 2003.

Die im MDax gelisteten Aktien der Senderfamilie von ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24, die wegen der pessimistischen Analystenschätzungen für die Halbjahreszahlen am Vortag um mehr als acht Prozent abgestürzt waren, stiegen am Freitag im frühen Handel wieder mehr als fünf Prozent auf 7,55 Euro. Die Experten hatten im Schnitt exakt mit den erzielten 16 Millionen Euro Überschuss gerechnet.

Rohner rechnet mit Marktrückgang

Die Werbekrise herrscht in ganz Europa, ist in Deutschland aber besonders ausgeprägt. So hatte die Senderfamilie RTL Group im Juli erklärt, es gebe Anzeichen für eine Markterholung in Großbritannien und den Niederlanden, aber noch nicht in Deutschland. "Eine nachhaltige Erholung des Werbemarkts ist nach wie vor nicht in Sicht", erläuterte auch Rohner die Perspektiven. Er rechne mit einem Rückgang des gesamten deutschen TV-Werbemarktes in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent. ProSiebenSat.1 werde sich dabei jedoch besser als der Markt entwickeln. Für 2002 strebe der Konzern ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 200 Millionen Euro an. Im ersten Halbjahr war dieses operative Ergebnis um 46 Prozent auf 77 Millionen Euro geschrumpft.

Im zweiten Quartal fiel der Nachsteuergewinn auf 10 (36) Millionen Euro, der Umsatz auf 496 (514) Millionen Euro. Die Nettofinanzschulden erhöhten sich den Angaben zufolge zum Ende Juni auf 910 Millionen Euro von 813 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Erlösziele mit Fußball-WM deutlich verfehlt

Als positiv bezeichnete ProSiebenSat.1 die Entwicklung der Ausgaben. Trotz der Kosten für die Fußball-WM von 54 Millionen Euro habe sich der Programm- und Materialaufwand nur um vier Prozent auf 706 Millionen Euro erhöht. Ohne diesen Effekt hätten die Kosten um ein Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Dabei zeigte sich die Senderfamilie mit dem Sportereignis jedoch keineswegs zufrieden. "Die Bilanz der Fußball-Weltmeisterschaft in Sat.1 fällt ernüchternd aus", sagte Rohner. "Durch die fehlende Nachfrage im Werbemarkt haben wir unsere Erlösziele bei der WM deutlich verfehlt." Das habe auch den Konsolidierungskurs des defizitären Senders Sat.1 zurückgeworfen, der im ersten Halbjahr einen Verlust von 73 Millionen Euro verbuchte. Bis 2003 soll der Sender schwarze Zahlen schreiben. ProSieben war erneut der profitabelste Sender mit einem Gewinn vor Steuern von 127 Millionen Euro.

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