Keine Erholung in Sicht
Überraschend hohe Verluste bei Infineon

Der Münchener Chiphersteller Infineon hat wegen des Preisdrucks bei Speicherchips seine Verluste im Schlussquartal ausgeweitet und sieht noch immer keine Signale für eine Erholung. Die unter den Erwartungen liegenden Zahlen ließen die Aktie zeitweise mehr als elf Prozent einbrechen.

Reuters MÜNCHEN. "Für die ersten beiden Quartale des laufenden Geschäftsjahres haben wir noch keine eindeutigen Anzeichen für eine nachhaltige Erholung", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Freitag in München. "Wir erwarten, dass der Preisdruck in allen Bereichen während der kommenden Monate anhält." Eine konkrete Prognose für das Geschäftsjahr 2002/03 (zum 30. September) oder für das erste Quartal lehnte Schumacher angesichts der Unsicherheiten im Markt ab. Zugleich bekräftigte er, ein Wechsel auf den Vorstandsposten der Deutschen Telekom sei ausgeschlossen: "Ich bleibe bei Infineon."

Die Infineon-Aktien war zu Handelsbeginn mit minus elf Prozent stärkster Verlierer im Dax. Im Laufe des Tages erholte sich das Papier und notierte am Nachmittag mit 9,89 Euro noch 3,5 Prozent im Minus.

Analysten enttäuscht

Im Schlussquartal verbuchte Infineon wegen des Preisverfalls in der Branche sowie Sondereffekten von 119 Millionen Euro einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 292 (Vorquartal: 107) Millionen Euro. Der Umsatz sank auf 1,38 (1,40) Milliarden Euro.

"Der Kurs reagiert auf den verhaltenen Ausblick, da wird nur von Preisdruck geredet", sagte Merck-Finck-Analyst Theo Kitz. Offenbar wolle sich Infineon nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Ich bin ein bisschen über den Verlust enttäuscht", sagte Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest. "In diesen Zahlen steckt kein Funken Inspiration." Zuletzt hatten sich bereits Rivalen wie STMicroelectronics, Intel und Texas Instruments skeptisch über die Entwicklung der Nachfrage zum Jahresende geäußert.

Verlustbringer DRam

Insgesamt schrieben Infineon zufolge drei der fünf Sparten im Quartal operativ schwarze Zahlen. Infineons wichtigster Bereich mit bis zu 40 Prozent des Konzernumsatzes, die Speicherchip-Sparte, verbuchte wegen des Preisverfalls bei Standard-Speicherchips (S-DRAMs) einen Verlust vor Steuern und Zinsen von 200 (Vorquartal: 17) Millionen Euro. Der Umsatz sank um gut ein Fünftel auf 429 Millionen Euro.

Zwar habe man zuletzt eine positive Entwicklung bei den Speicherchip-Preisen gesehen, sagte Schumacher mit Blick auf die künftige Entwicklung. Aber es sei unklar, ob diese Entwicklung, die sich vor allem bei den höherwertigen DDR-DRAMS zeige, anhalte. In der Mobilkommunikation stabilisiere sich aber die Nachfrage und in der Automobilelektronik sehe man sogar einen moderaten Anstieg. Die Entwicklung in den Sparten drahtgebundene Kommunikation und Chipkarten bleibe hingegen ungewiss.

Kosten sollen weiter fallen

Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz kündigte an, der weltweit sechstgrößte Halbleiterhersteller werde seine Kosten für die Herstellung von Speicherchips im laufenden Geschäftsjahr um weitere 30 bis 40 Prozent senken. Ein Arbeitsplatzabbau ist Schumacher zufolge derzeit nicht vorgesehen. Sollte der Markt allerdings weiter nicht wachsen, seien Stellenstreichungen nicht auszuschließen, fügte er hinzu. Der Konzern hat weltweit bereits 5000 Arbeitsplätze abgebaut. Insgesamt plant Infineon für 2002/03 Investitionen von einer Milliarde Euro nach 0,64 (2000/01: 2,28) Milliarden Euro im Vorjahr. "Das abgelaufene Geschäftsjahr war sicherlich ein schwieriges Jahr", sagte Schumacher. 2001/02 ging der Umsatz um acht Prozent auf 5,21 Milliarden Euro zurück. Der Verlust vor Steuern und Zinsen kletterte auf 1,14 (Vorjahr 1,02) Milliarden Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%