"Keine Ermittlungen"
Rätselraten um Cipollini-Rücktritt

In einer überraschenden Nacht- und Nebelaktion hat Italiens Sprint-König Mario Cipollini seine Radsport-Karriere beendet. Der unerwartete Rücktritt schürte Vermutungen, der 40fache Etappensieger des Giro d' Italia wolle kurz bevorstehenden Enthüllungen zuvor kommen.

HB ROM. In einer überraschenden Nacht- und Nebelaktion hat Italiens Sprint-König Mario Cipollini seine Radsport-Karriere beendet. "Ich gehe, weil mich dieser Radsport verachtet und deshalb gar nicht verdient hat", erklärte der von der Tour de France nicht eingeladene Star des "Acqua & Sapone"-Teams in der Nacht zum Mittwoch gegenüber der "Gazzetta dello Sport". "Es waren nicht Ermittlungen oder andere Schwierigkeiten, die mich zu dieser Entscheidung bewogen haben", beeilte sich der 35-Jährige, aufkommenden Dopinggerüchten entgegenzutreten. Dass der Rivale von Telekom-Sprinter Erik Zabel seinen unerwarteten Rücktritt aber erst am späten Abend mitteilte, schürte Vermutungen in Italien, dass der 40fache Etappensieger des Giro d' Italia kurz bevorstehenden Enthüllungen zuvor kommen wollte.

Sein Team jedenfalls fiel nach eigenen Angaben genauso aus "allen Wolken" wie die Fans von "Super Mario". "Er hätte mit uns reden müssen. Mit so etwas habe ich nicht gerechnet", sagte Teamchef Vincenzo Santoni. Cipollini traf seine Entscheidung offensichtlich einsam in seinem Wohnort Monte Carlo. Sein Verhältnis zum Team scheint gestört. "Die Hauptsponsoren unseres Teams haben meinen Einsatz nicht gewürdigt", klagte der exzentrische Cipollini, der immer wieder durch seine grellen Trikots auffiel.

Heftige Vorwürfe erhob der 12-malige Etappensieger der Tour de France auch gegen Tour-Direktor Jean Marie Leblanc. «Es ist schon sehr traurig, wenn man zu Hause sitzt und nicht um den Sieg fahren kann», teilte Cipollini auf seiner Homepage mit. "Ich könnte bei der Tour noch einigen eine Lehrstunde erteilen", sagte er und fühlt sich zu Unrecht ausgegrenzt. "Bei den Sprintankünften sieht das aus wie ein Nachwuchsrennen", lästerte Cipollini in der "Gazzetta".

Sein Rücktritt erscheint nicht nur der größten Sporttageszeitung Italiens "mysteriös". Schließlich präsentierte sich der im Toskana- Ort Lucca geborene Profi in seinem 14. Profijahr in absoluter Top- Form. Neben dem Klassiker Mailand - San Remo, wo er Zabel schlug, und dem Rennen Gent - Wevelgem hatte der Italiener sechs Giro-Etappen gewonnen. Für die im Oktober anstehende Weltmeisterschaft war er als einer der Titel-Favoriten gehandelt worden.

Sein Rücktritt sei keine Kurzschluss-Handlung gewesen, betonte Cipollini. "Ich wollte schon während des Giro zurücktreten", verriet der 177-malige Rennsieger. In dem von Dopingfällen und Polizei- Aktionen belasteten Radsport fühlte sich in Italien als "Re Leone" (König-Löwe) bejubelte Ausnahmesprinter nicht mehr zu Hause. "Die Opfer, die wir bringen, lohnen nicht", klagte Cipollini. In der kommenden Woche will der Italiener die Gründe für seinen Abschied auf einer Pressekonferenz ausführlich erläutern. Seine Zukunftspläne verriet er der "Gazzetta dello Sport" aber schon am Mittwoch: "Es ist besser, zu Hause zu bleiben und das Familienleben zu genießen."

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