Keine Euphorie, aber Hoffnung
Standardtitel an der Schweizer Börse stellen defensive Qualitäten unter Beweis

Zu der insgesamt recht widerstandsfähigen Haltung der Schweizer Börse trugen vor allem Nestlé sowie die Pharma-, Großbank- und Versicherungsaktien bei. Dagegen wurde die Entwicklung von den Titeln der Swisscom und der ABB gebremst

ef ZÜRICH. Die Weltbörsen sind unruhig, doch die Schweizer Börse zeigt Standfestigkeit: Der Blue-Chip-Index SMI konnte erneut die Marke von 8000 Punkten verteidigen. Auch hier zu Lande herrscht bei den Investoren keine Euphorie. Von der jetzt erreichten Basis aus, könnte aber in nächster Zeit durchaus ein Ausbruch nach oben gelingen, war am Finanzplatz Zürich zu hören.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass externe Faktoren wie die Entwicklung der Zinsen und Devisenkurse keinen Strich durch die Rechnung machen. Die Meldungen aus den Unternehmen klingen durchaus zuversichtlich. Allerdings häufen sich die Stimmen aus den Konzernen die eine graduelle Abschwächung der Wachstumsraten im zweiten Halbjahr 2000 erwarten. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass das zweite Halbjahr 1999 gegenüber den ersten sechs Monaten bereits besser ausgefallen war. Dies bedeutet, dass im zweiten Halbjahr 2000 mit einer höheren Basis verglichen werden muss. Allerdings sind Anleger in einem labilen Börsenumfeld nicht bereit, solche Argumente zu akzeptieren, wie Beispiele aus dem High-Tech-Bereich beweisen.

Zu der insgesamt recht widerstandsfähigen Haltung der Schweizer Börse trugen vor allem Nestlé sowie die Pharma-, Großbank- und Versicherungsaktien bei. Dagegen wurde die Entwicklung von den Titeln der Swisscom und der ABB gebremst.

Bei dem Technologiekonzern sind sich die Analysten nicht einig, wie die Zukunftschancen einzuschätzen sind. Die (schwedischen) Konzernverantwortlichen wollen ABB zu einem auf Wissen basiertem Technologiekonzern weiter entwickeln. Der Abschied vom Schwermaschinenbau (Adtranz, Energieerzeugung) und der Ausbau der Automatisierungstechnik stehen stellvertretend für diese Strategie. ABB berichtete Ende Oktober über eine Umsatz- und Ertragsentwicklung, die die Erwartungen der Analysten knapp erreichte. Ein völlig unerwartete Führungswechsel führte jedoch zur Verunsicherung der Investoren. Zwar konnte die ABB-Aktien in der Vorwoche Teile der zuvor erlittenen Abschläge wieder aufholen, doch in der Berichtswoche ging es bereits wieder bergab. Trotz der erzielten Ertragsfortschritte notierten die Titel am Freitag um rund 17 % unter ihrem Niveau vom Jahresbeginn. Wird der diesjährige Höchstkurs von Anfang Februar zu Grunde gelegt, beträgt der Abschlag sogar mehr als 25 %. Trotz der Unsicherheiten empfehlen die beiden Schweizer Vermögensverwaltungsbanken Vontobel und Julius Bär die ABB-Aktien weiter zum Kauf.

Deutliche Kursabschläge erlitten erneut die Aktien der Swisscom AG. Dem ehemaligen Schweizer Telekommonopolisten gelang es zwar, mit Vodafone einen starken Minderheitspartner (25 %) im Vorfeld der heute beginnenden eidgenössischen UMTS-Versteigerung für den Mobilfunkbereich zu finden, doch der dafür von den Briten bezahlte Preis von 4,5 Mrd. sfr wurde von Analysten als deutlich zu tief eingeschätzt. Deshalb war die Reaktion der Börse nur zu Beginn positiv. Schnell wurden die Swisscom-Aktionäre wieder mit den unliebsamen Realitäten konfrontiert. Seit Jahresbeginn haben die Aktien bereits 35 % ihres Wertes eingebüßt. Wer in Swisscom investiert, muss sich in nächster Zeit mit der erwartete Ertragsentwicklung auseinander setzen. Bei dem starken Wettbewerb sind positive Überraschungen kaum zu erwarten. Ein Einstieg bei der Mutter Swisscom ist so lange für einen internationalen Konzern nicht möglich, wie der Staat aufgrund des gültigen Gesetzes die Mehrheit halten muss.

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