Keine feindliche Übernahme befürchtet
Suse braucht noch zwei Jahre für Börsengang

Der fränkische Linux-Anbieter Suse benötigt nach Worten von Vorstandschef Richard Seibt noch etwa zwei Jahre bis zu einem Börsengang und will sich zunächst lieber beim japanischen Partner Turbo-Linux beteiligen.

Reuters LONDON. Seibt rechnet auch für das laufende Jahr mit kräftigem Wachstum, während für die gesamte Technologie-Branche lediglich eine Stagnation erwartet wird.

2003 solle der Umsatz auf 47 bis 57 Millionen Euro nach 40 Millionen Euro im Vorjahr wachsen, sagte Seibt am Freitag im Interview mit Reuters in London. Die Brutto-Marge solle im laufenden Jahr 62 Prozent erreichen. "Im ersten Quartal haben wir bereits alle unsere Ziele übertroffen", ergänzte Seibt.

Suse, der europäische Hauptkonkurrent des US-Linux-Anbieters Red Hat, hatte erst vergangene Woche weltweit Aufsehen erregt, weil die Firma zusammen mit IBM von der Stadt München den grundsätzlichen Zuschlag für die Ausstattung von 14 000 PCs erhalten hatte. Damit konnte sich das Konsortium gegen den weltgrößten Softwareanbieter Microsoft durchsetzen, dessen Betriebssystem Windows bislang von den Münchner Behörden genutzt wird. Er habe "keinen Zweifel", dass Suse den im Frühjahr 2004 erwarteten endgültigen Zuschlag für das Projekt erhalten werde, zeigte sich Seibt zuversichtlich.

Suse hält nach eigenen Angaben einen Anteil von 60 Prozent am europäischen Linux-Markt, will aber mit dem Gang an die Börse noch warten. "Wir brauchen wahrscheinlich noch mehr als zwei Jahre, um dafür bereit zu sein", sagte Seibt. Allerdings könne diese Frist bei einem Anziehen der Kapitalmärkte auch kürzer ausfallen. Analysten und Investoren zeigten in letzter Zeit verstärkt Interesse an dem Unternehmen.

Kaum Sorge vor feindlicher Übernahme

Derzeit liegen über 75 Prozent der Suse-Anteile bei Wagniskapitalgebern sowie mehreren Technologiekonzernen. Darunter befinden sich auch die weltweite Nummer eins bei Unternehmenssoftware SAP, der weltgrößte Chipanbieter Intel sowie der Computer- und Druckerproduzent Hewlett-Packard (HP). Diese Struktur macht Seibt zufolge derzeit eine feindliche Übernahme von Suse unwahrscheinlich: "Unsere Eigner fürchten ein neues Monopol. HP will nicht, dass IBM uns kauft. Oracle will nicht, dass SAP uns kauft."

Momentan erwägt Suse einen Einstieg beim japanischen Partner Turbo-Linux, der bereits Teile der fränkischen Software für seine Produkte verwendet. "Wir denken über eine Beteiligung nach", sagte Uwe Schmidt, Vizepräsident für Marketing und Verkauf bei Suse. "Sie sind ein sehr wichtiger Partner für uns", ergänzte Seibt.

Nach mehreren verhältnismäßig ruhigen Jahren hat das Fusionskarussell in der Technologiebranche zuletzt wieder an Fahrt gewonnen. Am Freitag kündigte SAP-Konkurrent Oracle an, den US-Konzern PeopleSoft übernehmen zu wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%