Keine Festlegung auf Freenet-Chef
Keine Mehrheit für Vogel als neuen Mobilcom-AR-Chef

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Mobilfunkanbieters Mobilcom hat am Montag überraschend seinen bisherigen Vorsitzenden Klaus Ripken im Amt bestätigt. Wiedergewählt wurde auch Vorstandschef Thorsten Grenz.

Reuters HAMBURG. Der ursprünglich als Nachfolger für den bereits zurückgetretenen Ripken vorgesehene frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel erhielt nach Angaben aus den Kreisen des Unternehmens auch im zweiten Versuch nicht die erforderliche Unterstützung. Mobilcom bestätigte die Wahl Ripkens, nannte in einer kurzen Erklärung aber keine Gründe für die Entscheidung.

Vogels Wahl hatte nach dem nur knappen Scheitern an der Zwei-Drittel-Mehrheit bei der vorherigen Aufsichtsratssitzung für den zweiten Wahlgang am Montag als sicher gegolten. Wie es nach der Sitzung aus den Kreisen hieß, habe es aber eine längere Diskussion um Vogel gegeben. Dabei sei es allerdings nicht um dessen umstrittenen Honorare gegangen. Mobilcom erklärte, die vom Aufsichtsrat bereits früher gebilligte Vergütung für Vogels Tätigkeit als Vermittler zur Lösung der Finanzkrise bei dem Büdelsdorfer Unternehmen sei bestätigt worden.

Es sei in der Diskussion aber deutlich geworden, dass Vogel im Falle einer Wiederholung des ersten Wahlgangs die Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlen werde. hieß es in den Kreisen. Nach erneuter Debatte der Arbeitgeber-Vertreter sei dann mit einfacher Mehrheit nicht Vogel, sondern der bisherige Aufsichtsratschef Ripken erneut gewählt worden. Ob Vogel nun weiter Mitglied des Aufsichtsrats bleibe, sei noch offen.

Der 61-jährige Ex-Thyssen-Manager hatte in zähen Verhandlungen mit Banken und dem Mobilcom-Anteilseigner France Telecom die Rettung des hochverschuldeten Mobilfunkanbieters Mobilcom erreicht. France Telecom, bisher mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt, hatte Ende November die Übernahme von mehr als sieben Milliarden Euro Schulden der Mobilcom AG unterzeichnet.

Keine Festlegung auf Freenet-Chef

Im Streit um die Besetzung eines neuen dritten Vorstandspostens bei Mobilcom setzte der Aufsichtsrat nach weiteren Angaben aus Unternehmenskreisen einen Personalausschuss ein. Als einer der Kandidaten gelte der bisherige Chef der Internettochter von Mobilcom, Freenet, Eckhard Spoerr. Allerdings seien weitere Namen in der Aufsichtsratssitzung genannt worden. Eine Festlegung für den Personalausschuss auf einen Kandidaten gebe es nicht, hieß es in den Kreisen.

Spoerr wird innerhalb des Mobilcom-Konzerns für seine erfolgreiche Arbeit bei Freenet geschätzt. Gleichzeitig ist er wegen seiner engen Verbindung zum früheren Mobilcom-Chef und-Gründer Gerhard Schmid umstritten. Im Aufsichtsrat habe sich am Montag die Meinung durchgesetzt, über den dritten Vorstandsposten müsse nicht mehr in diesem Jahr entschieden werden, hieß es in den Kreisen ergänzend.

Aufsichtsrat stärkt Mobilcom-Chef Grenz den Rücken

Zugleich stärkte der Aufsichtsrat Schmid-Nachfolger Thorsten Grenz den Rücken. Nachdem Grenz zuletzt wiederholt öffentlich in die Diskussion geraten sei, habe der Aufsichtsrat ihn demonstrativ im Amt bestätigt. Dieser Beschluss fiel nach Angaben aus den Kreisen nicht einstimmig, "aber mit deutlicher Mehrheit". Grenz hatte in den vergangenen Wochen mit dem Mobilcom-Betriebsrat und Banken-Vertretern einen Sanierungsplan für das hochverschuldete Unternehmen ausgehandelt, der den Wegfall von 1850 der rund 5000 Stellen vorsieht. Die Mobilcom-Aktie, in den vergangenen Wochen wiederholt Objekt für Börsenspekulationen, legte am Montag in einem schwächeren Marktumfeld um knapp vier Prozent auf drei Euro zu.

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