Keine Fortschritte der Nordallianz
Taliban unter Dauerbeschuss

Die USA haben am Mittwoch in Afghanistan am dritten Tag in Folge Stellungen der radikal-islamischen Taliban-Regierung an der Front zur oppositionellen Nordallianz angegriffen.

rtr KABUL/WASHINGTON. Ein Augenzeuge berichtete, es seien die ganze Nacht über Kampfflugzeuge über der Hauptstadt Kabul zu hören gewesen. "Die meisten flogen in Richtung der Front, nördlich von Kabul", sagte er. Trotz der Unterstützung aus der Luft durch die USA gab es am Boden jedoch US-Angaben zufolge keine Fortschritte zu Gunsten der Nordallianz. Einer Agenturmeldung zufolge wurden bei den Angriffen am Dienstag in einem Dorf im Süden des Landes 52 Menschen getötet. Die USA hatten zuvor eingeräumt, dass am Wochenende mehrere Bomben ihre Ziele verfehlten und zivile Objekte getroffen worden seien.

Die USA haben erklärt, gezielt Truppen der Taliban anzugreifen, um der Nordallianz einen Vormarsch zu ermöglichen. Die Allianz bereitet nach eigenen Angaben die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Masar-i-Scharif im Norden des Landes vor. Die Stadt ist seit Jahren Brennpunkt von Gefechten zwischen der Nordallianz und den Taliban-Truppen. Größere Geländegewinne erzielte die Allianz nach US-Angaben jedoch zunächst nicht. "Die Schlacht bewegt sich noch immer hin und her", sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Stufflebeem, am Dienstag in Washington. Die Allianz kontrolliert etwa zehn Prozent des Landes.

"Die US-Kampfflugzeuge flogen die ganze Nacht über intensiv, und immer wieder hörte ich Explosionen", sagte der Augenzeuge. Wegen der nächtlichen Ausgangssperre sei es ihm aber nicht möglich gewesen, eventuelle Ziele auszumachen. Am späten Dienstagabend seien innerhalb weniger Minuten mehr als zehn Bomben oder Raketen in der Stadt oder der näheren Umgebung explodiert. "Sie waren sehr laut, sehr stark", sagte der Augenzeuge. Kurz zuvor hatten die USA bei einem Angriff auf Kabul mindestens 19 Mitglieder einer militanten pakistanischen Gruppe getötet, die in der Himalaya-Region Kaschmir für ein Ende der indischen Herrschaft kämpft. Zu den Getöteten gehöre auch ein führendes Mitglied der Gruppe, verlautete aus der Kreisen.

Die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete am Mittwoch, bei den Angriffen am Vortag sei das Dorf Chakor Karis, etwa 40 Kilometer südöstlich der Stadt Kandahar, getroffen worden. Bei den 52 Opfern handele es sich überwiegend um Nomaden.

Zuvor hatte eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums eingeräumt, dass mindestens zwei US-Bomben am Wochenende ihre Ziele verfehlt und zivile Objekte getroffen hätten. Die größere der beiden Bomben sei in der Nähe eines Seniorenheims in der westafghanischen Stadt Herat eingeschlagen. Sie habe keine Hinweise darauf, dass - wie von den Taliban berichtet - ein Krankenhaus getroffen worden sei.

Stufflebeem warnte davor, dass sich geschwächte Taliban- Verbände in den Schutz ziviler Wohnviertel oder von Moscheen zurückziehen könnten. Es gebe vereinzelte Berichte über entsprechende Pläne der Taliban. In diesem Fall würden die USA ihre Angriffe jedoch nicht auf die Städte ausweiten. "Wir werden andere Wege finden - unter Einsatz unserer gesamten militärischen Möglichkeiten - sie zu kriegen", fügte er hinzu.

Stufflebeem sagte, die seit dem 7. Oktober anhaltenden Luftangriffe hätten praktisch die gesamte Luftabwehr der Taliban zerstört sowie deren militärischen Kommunikationseinrichtungen. Zudem seien alle bekannten Trainingslager der Organisation El Kaida getroffen worden. Die USA machen El Kaida und ihren Anführer Osama bin Laden für die Anschläge am 11. September in New York und Washington verantwortlich, bei denen vermutlich bis zu 5400 Menschen ums Leben gekommen sind. Die USA hatten vor Beginn der Luftangriffe die Taliban vergeblich aufgefordert, Bin Laden auszuliefern.

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