Keine Freigabe für Schneider
Völler-Nachfolge bei Bayer geklärt

Sein Handy klingelt unentwegt. Jeder will wissen, wer dieser Ilja Kaenzig ist, den Reiner Calmund aus dem Hut zog und als neuen Sportmanager in das Rampenlicht stellte.

HB DÜSSELDORF. Nicht einer mit großem Namen wie Oliver Bierhoff, Jürgen Klinsmann oder Rune Bratseth, die allesamt im Gespräch waren, wurde Nachfolger von Rudi Völler - sondern der erst 29 Jahre alte "Schattenmann", der vier Jahre lang Assistent von Calmund war. "Jetzt bin ich an der Front, und da ist ein gewisser Reiz im Spiel, etwas bewegen zu können", sagt Kaenzig, der bereits im Trainingslager in Abtwil/Schweiz das Sagen hat. Erstmals seit Jahren ist Calmund nicht dabei. Er meldete sich in den Urlaub nach Mallorca ab und überlässt seinem Lehrling die Regie. "Er will das hohe Tempo des Tagesgeschäfts nicht mehr gehen, doch der Calli bleibt Mister Leverkusen und der Mann der letzten Entscheidung", erklärt Kaenzig, Sohn eines Schweizers und einer Russin.

Der "Neue" parliert fließend Englisch, Französisch, Russisch und Schwyzerdütsch. Und Kaenzig verschweigt nicht, dass er dem Bayer - Schwergewicht viel verdankt: "Man lernt unendlich viel von ihm. Es ist eine Berufs- und Lebensschule." Vergleichen will er sich mit Calmund aber nicht lassen. "Er ist einzigartig, ihn zu kopieren, ist unmöglich." Er möchte seinen eigenen Weg und Stil finden. Gerühmt wird sein Geschick bei Vertragsverhandlungen, das er zuletzt bei den Transfers der Brasilianer Franca und Juan sowie beim schwierigen Jan Simak oder bei der Kontrakt-Verlängerung mit Bernd Schneider zeigte. Letzterer beschäftigt Kaenzig auch im Schweizer Trainingscamp, wo vom FC Barcelona angeblich ein 20-Millionen-Euro-Angebot für den Vizeweltmeister eingegangen sein soll.

Kaenzig lassen solche Spekulationen kalt. Schneider wird keine Freigabe erhalten und in der kommenden Saison in Leverkusen weiter eine wichtige Rolle spielen. Denn nach der Abwanderung der Stars Michael Ballack und Zé Roberto zu Bayern München dürfte der 28- jährige Schneider zum zentralen Spielgestalter werden. Dass Bayer als deutscher Vizemeister, Pokalzweiter und Champions-League-Finalist trotz der hochkarätigen Abgänge national und international wieder ein gewichtiges Wort mitreden wird, glaubt Kaenzig allemal. "Leverkusen ist in der Endphase der vergangenen Spielzeit an der zu schwach besetzten Bank gescheitert und drei Mal Zweiter geworden.

Die Bank ist jetzt besser besetzt, es gibt einen größeren Konkurrenzkampf", erklärt er. Das sei besser, als nur von zwei Stars abhängig zu sein. "Die Leute, die wir geholt haben, sind keine großen Stars, aber vielleicht zu großen Taten fähig." Auch als ein Ballack nach Leverkusen kam, habe man auch nicht wissen können, dass er ein Superstar würde. Sechs Neuzugänge haben die Chance: neben Franca, Juan und Simak noch Hanno Balitsch, Daniel Bierofka und Christoph Preuß. Ganz aus der Nähe will sich Kaenzig die Entwicklung aber nicht anschauen: "Auf der Trainerbank werde ich nicht sitzen."

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