Keine gesicherten Prognosen möglich: Reisebranche wartet auf Kundschaft

Keine gesicherten Prognosen möglich
Reisebranche wartet auf Kundschaft

Der Reisemarkt steht nach der Krise des vergangenen Jahres vor einem weiteren schwierigen Jahr.Der drohende Irakkrieg hängt wie ein Damoklesschwert über der Branche. Mit neuen Sparmaßnahmen versuchen die Unternehmen jedoch, sich gegen die Krise zu wappnen.

hz ETVILLE. Die wachsende Angst vor einem Irakkrieg trübt die Aussichten im Reisegeschäft. Die Branche stellt sich auf ein weiteres Krisenjahr ein, denn die Sorge um einen neuen militärischen Konflikt am Golf dämpft vor allem die Reiselust der Deutschen. Europas Branchenführer Tui verzeichnete in den vergangenen Wochen bereits starke Rückgänge und auch Europas Nummer zwei, Thomas Cook, zählt auf dem wichtigen Heimatmarkt bisher weniger Buchungen als im bereits schwachen Vorjahr. Doch mit neuen Sparmaßnahmen versuchen die Branchengiganten, der Krise zu trotzen.

Aus der kurzfristigen Wachstumsdelle, von der die führenden Unternehmen im vergangenen Jahr noch gerne sprachen, ist damit längst eine handfeste Krise geworden, die sich immer länger hinzieht. "Es ist definitiv keine Umkehr des Trends erkennbar", stellte der Touristik-Experte der Hypo-Vereinsbank, Christian Obst, fest. Auch andere Marktbeobachter sehen im Auslandsreisegeschäft für 2003 keine Aussicht auf Besserung: "Der drohende Irak-Krieg überschattet alles", sagte die Dresdner-Bank - Volkswirtin Renate Finke. Ein militärischer Konflikt werde sich massiv auf den Reisemarkt auswirken. Eine Prognose sei jedoch schwierig. Im günstigsten Fall werde mit Stagnation gerechnet. Erst im Jahr 2004 sei wieder ein spürbares Wachstum zu erwarten.

Die aktuelle Entwicklung - der drohende Krieg, anhaltende Konjunkturschwäche, Konsumzurückhaltung sowie Steuern- und Abgabenerhöhungen - sei nicht absehbar gewesen, betonte der Vorstandschef von Thomas Cook, Stefan Pichler. Der Top-Manager zeigte sich deshalb skeptisch, ob der Markt in Europa tatsächlich - wie ursprünglich prognostiziert - in diesem Jahr um 3 bis 4 % wachsen werde. Während in früheren Jahren zwischen 15 und 18 % der Kunden bereits ihren Sommerurlaub gebucht hätten, habe die Branche in diesem Jahr bislang erst 10 bis 12 % der Buchungen verzeichnet.

Für das laufende Geschäftsjahr gab Pichler zwar weiterhin eine "schwarze Null nach Steuern" als Ziel für den jeweils zur Hälfte Lufthansa und Karstadt-Quelle gehörenden Reisekonzern vor, er schränkte aber ein: "2003 wird kein Zuckerschlecken." Ein Krieg im Irak könnte alle Pläne zunichte machen. Auch Tui-Chef Michael Frenzel blickt mit Vorsicht in die Zukunft. Der Konzernchef hält bislang wegen der Irak-Krise und der schwachen Konjunktur keine belastbare Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Jahr für möglich.

Mit einem verschärften Sparkurs versuchen die Unternehmen jedoch gegenzusteuern. Tui will nun die Kosten um weitere 111 Mill. Euro senken, nachdem der Konzern sie bereits im Vorjahr um 160 Mill. Euro zurückgefahren hatte. Auch Thomas Cook will - unter anderem mit einer weiteren Integration und Verschlankung der Konzernstrukturen sowie Outsourcing von IT-Bereichen - die Kosten noch einmal um mehr als 100 Mill. Euro drücken.

Doch die Folgen eines Krieges lassen sich kaum kalkulieren. Die Reisekonzerne blicken darum mit Sorge nach vorn. "Je länger ein Krieg dauert, desto gravierender werden die Auswirkungen sein", weiß Pichler aus Erfahrung. Die Konzerne hoffen deshalb im Falle eines Krieges auf einen kurzen Konflikt, der die Menschen nur vorübergehend abhält, Urlaub zu buchen. Mit Notfallplänen haben sich die Reiseveranstalter auf den Ernstfall eingestellt, um Urlauber aus Krisengebieten zu evakuieren und die Flug- und Hotelkapazitäten anzupassen. Die Planungen beim Branchenführer aus Hannover sind dem Vernehmen nach weitgehend abgeschlossen. "Wir sind vorbereitet", heißt es auch in der Thomas-Cook-Zentrale in Oberursel.

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