"Keine gewinnorientierte Strategie"
Union Investment will Telekom-Vorstand nicht entlasten

Die drittgrößte deutsche Fondsgesellschaft Union Investment wird dem Vorstand der Deutschen Telekom auf der Hauptversammlung am Dienstag in Köln die Zustimmung verweigern und sich bei der Abstimmung über die Entlastung des Führungsgremiums der Stimme enthalten.

Reuters FRANKFURT. In einem vorläufigen Argumentationspapier von Union Investment für die Hauptversammlung heißt es, angesichts "der ungenügenden Ertragskraft und des eingetretenen massiven Wertverlusts der Aktien" werde sich die Fondsgesellschaft bei der anstehenden Abstimmung über die Entlastung des Vorstands der Stimme enthalten.

In dem Papier heißt es zudem, das Management lasse eine "ausreichend gewinnorientierte Strategie" vermissen. "Denn nicht steigende Umsätze, sondern die Gewinne entscheiden über den unternehmerischen Erfolg", heißt es weiter.

Informationspolitik ungenügend

Zudem sei die Informationspolitik "noch ungenügend", da für Investoren kaum erkennbar sei, wieviel Kapital die Telekom in welchen Konzernaktivitäten binde und welche Rendite das eingesetzte Kapital erziele. Auch "fehlen aussagefähige Geschäftspläne" für die nach Einschätzung der Fondsgesellschaft teuer erworbenen Unternehmen wie die US-Mobilfunktochter VoiceStream oder Debis Systemhaus.

Union Investment hält eigenen Angaben zufolge mehr als 40 Millionen Aktien der Telekom, was rund einem Prozent des Telekom-Kapitals entspricht.

Auch DWS auf Oppositionskurs

Auch die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS, übte im Vorfeld der Hauptversammlung Kritik an der Telekom-Führung. Das Papier sei derzeit "recht fair bewertet", sagte Fondsmanager Klaus Martini dem Hamburger Magazin "Stern". Damit tritt die DWS der Einschätzung von Konzernchef Ron Sommer entgegen, die Telekom-Aktie sei zurzeit ein "Schnäppchen". Die Telekom habe den Charakter als Wachstumswert verloren, fügte Martini hinzu.

Aktionärsvereinigungen haben bereits angekündigt, auf der Hauptversammlung gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmen zu wollen. Der Bund als größter Telekom-Aktionär hält direkt und indirekt noch 43 Prozent des Kapitals und steht nach den Worten von Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus ebenso wie der gesamte Aufsichtsrat hinter Sommer.

Bislang wurde den Vorständen und Aufsichtsräten der im Dax notierten Unternehmen bei den Hauptversammlungen von der Mehrheit der Aktionäre immer das Vertrauen ausgesprochen. Analysten rechnen deshalb nicht damit, dass den Gremien der Telekom am Dienstag die Zustimmung verweigert wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%