Keine gravierenden Änderungen in der Anlagepolitik nach den Terroranschlägen am 11. September
Versicherungen halten der Aktie die Treue

Die Versicherungsbranche zählt zu den größten professionellen Geldverwaltern. Daher leiden sie besonders unter den gestiegenen Kursschwankungen seit den Attentaten. Doch die Versicherer ändern nicht grundlegend ihre Anlagepolitik, auch wenn derzeit keine neuen Aktienengagements eingegangen werden.

DÜSSELDORF. Trotz der vergrößerten Unsicherheit an den Aktienmärkten nach den Attentaten vom 11. September halten Versicherer an ihrer Anlagepolitik fest. Eine generelle Abkehr von der Anlageform Aktie ist nicht geplant, erklärten übereinstimmend Vorstände der Allianz Leben, der Hannoverschen Leben, sowie Sprecher der Konzerne Ergo und AMB.

Allerdings seien bereits vor dem 11. September einige Aktienengagements aufgelöst worden. Zudem will sich kein Unternehmen kurzfristig vor dem Bilanzstichtag Ende des Jahres noch im großem Umfang neu am Aktienmarkt engagieren, um das Abschreibepotenzial gering zu halten, auch wenn eine neue Regelung ihnen dort Erleichterung verschaffen wird.

Versicherer, vor allem Lebensversicherer, zählen zu den größten professionellen Anlegern. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beliefen sich die Kapitalanlagen der gesamten Branche auf rund 1,5 Bill. DM (Stand Ende 1999).

"Wir haben unsere Aktienquote aber nicht signifikant gesenkt", sagt Maximilian Zimmerer, Finanzvorstand der Allianz Leben. Derzeit liege sie zu Marktwerten zwischen 20 und 25 % der Kapitalanlagen der Allianz Leben von knapp 100 Mrd. Euro. Ende des vergangenen Jahres habe sie noch 30 % betragen. Die Allianz Leben habe schon vor dem 11. September einige Positionen aufgelöst, und zum Beispiel Technologiewerte verkauft, um etwas Volatilität aus den Anlagen zu nehmen. "Langfristig wollen wir aber nach wie vor pro Jahr 1 bis 2 % zusätzlich in Aktien investieren" bekräftigte der Finanzvorstand.

Höhe der Reserven spielt eine wichtige Rolle

Die Anlagepolitik müsse aber auch in Abhängigkeit der Buchreserven gesehen werden. Diese Reserven entstehen als Differenz aus dem Einkaufspreis eines Wertpapieres und dem aktuellen Marktpreis. "Als Daumenregel kann sich ein Lebensversicherer eine Aktienquote von 20 % der Kapitalanlagen leisten, wenn er über 10 % Reserven verfügt", erklärt der Finanzvorstand.

Der Grund: Dank der Reserven können Kursrückgänge an den Märkten besser verkraftet werden, ohne gleich die Gewinnbeteiligung der Kunden senken zu müssen. Zu den Reserven in den Kapitalanlagen macht die Allianz Leben keine Angaben. Marktbeobachter rechnen aber damit, dass sie sich nach wie vor im unteren zweistelligen Prozentbereich der Kapitalanlagen bewegen.

Derzeit sei die Allianz bei Neu-Engagements bei Aktien aber vorsichtig, da sie vor dem Bilanzstichtag keine neuen Risiken eingehen wolle. "Nach dem 1. Januar rechne ich mit anziehenden Kursen, weil dann viel Liquidität in die Märkte strömen wird", sagt der Allianz Leben Vorstand.

Auch die Düsseldorfer Ergo-Versicherung, Holding der Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS, setzt mittel- und langfristig weiterhin auf Aktien bei der Anlage ihrer Versichertengelder. "Aktieninvestments bleiben das zentrales Instrument", sagte Ergo-Sprecher Michael Thiemermann auf Anfrage. "Aus dieser Perspektive bieten die derzeitigen Kurse gute Einstiegsmöglichkeiten." Vorerst zeigt sich auch Ergo bei Aktien-Engagements aus den oben genannten Gründen vorsichtig. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Versicherungskonzerns AMB Generali.

Unwahrscheinlich seien große Verschiebungen innerhalb des Anlageportfolios seines Hauses, sagt Thimmermann. Dieses umfaßt derzeit Rentenpapiere (59,9 %), Aktien (27,1 %), Grundbesitz (6,5 %) sowie Beteiligungen und sonstige Investitionen (7,1 %).

Wenig Alternativen zu Aktien

Die Treue zur Aktienanlage bedingt auch der Mangel an Alternativen. So verhindert ein stärkeres Umschichten ins Private Equity alleine schon das fehlende Volumen. Ergo könne bei einem Kapitalanlagevolumen von 90 Mrd. Euro diese Gelder nicht massiv in den Private-Equity-Markt umschichten, der in Deutschland rund 10 Mrd. Euro betrage. Bewegungen könne es aber im Immobilienbereich geben, sagt Thimmermann. Da wegen der niedrigen Zinsen auch der Rentenmarkt relativ unattraktiv sei, seien Versicherer auf eine breite Streuung der Anlagegelder über alle Asset-Klassen angewiesen, um den Kunden eine attraktive Verzinsung der Policen bieten zu können.

"Wir haben unsere Aktienquote schon vor dem 11. September auf nur noch 5 bis 6 % gesenkt. Wir streben langfristig eine Quote von 15 bis 20 % an", sagte Eckart von Uckermann, Vorstandsvorsitzender der Hannoverschen Leben. Anders als andere Versicherer schüttet die Hannoversche die Erträge an ihre Kunden zeitnah aus, baut aber so keine großen Reservepolster auf. Daher musste die Hannoversche ihre Gewinnsätze entsprechend der Entwicklung am Kapitalmarkt auf 5 % von 6,5 % (Rentenpolicen) bzw. 6,75 % (Kapitalbildende Lebenpolice) reduzieren.

"Unsere Reserven haben nicht ausgereicht, um diese Marktschwankungen abzufangen", räumt der Hannoversche Leben-Chef ein. Doch an der Politik der zeitnahen Ausschüttung wolle sein Haus festhalten. Angesichts der gestiegenen Schwankungsbreiten an den Kapitalmärkten rechnet er damit, dass auch Wettbewerber ihre Gewinnsätze stärker an den Marktentwicklungen anpassen werden.

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