Keine Großaquisitionen geplant
SAP profitiert vom Oracle-Angebot

Die Aktien des Softwarekonzerns SAP haben am Freitag nach dem Übernahmenangebot des SAP-Konkurrenten Oracle für den Wettbewerber Peoplesoft ihre Gewinne ausgebaut. Händler begründeten den SAP-Kursanstieg mit der Konsolidierung der Software-Branche, die Übernahmefantasien anrege.

vwd FRANKFURT/M. In die Software-Branche ist in den vergangen Tagen erhebliche Bewegung gekommen. Für frischen Wind sorgten gleich mehrere Übernahmeankündigungen in den USA, in deren Mittelpunkt die Peoplesoft Inc steht. In Deutschland ranken sich Kauf-Spekulationen um die Software AG. Die Konsolidierungswelle scheint ins Rollen gekommen zu sein. Die Nummer Eins im Markt hält sich dabei zurück: Die SAP AG plant nach eigenem Bekunden derzeit keine Großakquisitionen. Das Walldorfer Unternehmen lauert jedoch darauf, im Konsolidierungsprozess Marktanteile zu gewinnen.

Den Stein ins Rollen brachte die Peoplesoft Inc mit Sitz in Pleasanton. Am Montag überraschte das Unternehmen mit einem Übernahmeangebot für den Konkurrenten J.D. Edwards (JDE). Das Unternehmen aus Pleasanton will 1,7 Mrd.$ in Aktien auf den Tisch legen. Doch Peoplesoft ist nicht nur Jäger, sondern auch Gejagter: Nur vier Tage später hat nun die Oracle Corp aus Redwood City eine Offerte für Peoplesoft vorgelegt. 5,1 Mrd. $ in bar ist der Konzern bereit zu zahlen. Ob die Übernahme von J.D. Edwards weiter zur Debatte steht, ist ungewiss. Von Oracle hieß es, das Unternehmen werde die Transaktion prüfen. Der Peoplesoft-General-Manager für Europa, Steve Rowley, hatte noch am Donnerstag im Gespräch mit vwd sibyllinisch angekündigt, Peoplesoft wolle nach der Konsolidierungsphase der Branche eine aktive Rolle spiele. Das Unternehmen werde nach der Marktbereinigung ein "Übernehmer" und kein "Übernommener" sein.

Der Name Peoplesoft wird von Marktteilnehmern auch genannt, wenn die Rede auf eine mögliche Übernahme der Darmstädter Software AG kommt. Deren Aktienkurs verzeichnet seit Tagen erhebliche Kursaufschläge. Peoplesoft-CEO Craig Conway sagte in Zeitungsinterview, dass zwar Zukäufe in Europa geplant seien, aber nicht in nächster Zeit. Um das Darmstädter Unternehmen ranken sich schon seit längerem Übernahmefantasien. Auf der Liste der möglichen interessenten stehen Spekulationen zufolge auch die US-Konzerne Microsoft und IBM. Der Software AG selbst liegen keine Hinweise vor, die auf eine eventuelle Übernahme des Unternehmens hindeuten, wie es aus Darmstadt heißt.

Gewinner der jüngsten Konsolidierungswelle könnte ausgerechnet ein Unternehmen sein, dass bei den Kaufspekulationen ungenannt geblieben ist: SAP. Sowohl nach dem Bekanntwerden der Peoplesoft-Kaufabsichten für J.D. Edwards als auch des Übernahmeangebots von Oracle legte der Aktienkurs der Walldorfer mächtig zu. Bereits am Montag markierte der Kurs ein neues Jahreshoch von 97,88, mittlerweile hat die Aktie die Marke von 100 Euro deutlich übersprungen und notiert bis 16:08 Uhr mit plus neun Prozent bei 107,30 Euro.

SAP kann sich den Prozess gelassen ansehen. Sollte Oracle Peoplesoft tatsächlich übernehmen, sei dies als Chance für das Unternehmen zu sehen, sagte ein SAP-Sprecher. Dann gäbe es eine klare Nummer Zwei im Markt. Dies würde SAP die Möglichkeit geben, sich klar im Wettbewerb zu fokussieren. Selbst wenn J.D. Edwards und die beiden anderen zusammen gingen, hätte SAP immer noch einen mehr als doppelt so großen Marktanteil wie alle drei zusammen. SAP werde ihre Akquisitionsstrategie nicht ändern.

Der Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann hatte am Donnerstag erklärt, SAP bleibe auf die Ergänzung in Technologie nahen Bereichen fixiert. Auch Händler sehen in der Konzentration in den USA keine Gefahr für das Unternehmen. SAP sei in ihrem Bereich stark genug. Marktteilnehmer verweisen im Gegenteil darauf, dass bei einer Konsolidierung die Konzentration der Unternehmen auf der Integration liege. Dies könnte sich SAP zu Nutze machen und der Konkurrenz Marktanteile abnehmen. Der SAP-Sprecher sagte, die Vergangenheit habe gezeigt, dass eine feindliche Übernahme, wie sie sich aktuell darstelle, Kräfte binde und die Kundenbeziehungen störe.

Einem Analysten zufolge geht es Oracle hauptsächlich darum, ihre Position im Markt für Customer Relationship Management (CRM) zu festigen. Die plötzliche Ankündigung sei möglicherweise durch das Gebot von Peoplesoft für J.D. Edwards bedingt worden. Da bislang lediglich eine Absichtserklärung unterzeichnet worden sei, könne sich Oracle möglicherweise ohne große Kosten von J.D. Edwards wieder trennen, sollte das Unternehmen nicht in das Gesamtkonzept passen.

Der Markt für CRM nehme zunehmend oligopole Strukturen an. Das sei für die verbleibenden Marktteilnehmer keine nachteilige Entwicklung, da der Preisdruck nachlassen könnte. Den Markt dürften sich zunehmend SAP und Oracle - falls es zu einer Übernahme kommen sollte - aufteilen. Der Trend gehe eindeutig in Richtung Komplettanbieter. Der Konsolidierungsprozess werde sich fortsetzen, schätzt der Analyst. Auch Kagermann von SAP rechnet mit einer weiteren Konsolidierung der Softwarbranche.

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