Keine großen Preisnachlässe für Verbraucher
Gaswirtschaft dämpft Preis-Erwartungen

Die Gaswirtschaft hat vor überzogenen Erwartungen der Verbraucher an die weitere Marktöffnung in Deutschland gewarnt. Im Unterschied zum Strom werde es für die Privathaushalte nicht zu größeren Preisnachlässen oder alternativen Billig-Anbietern kommen, erklärte der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) am Donnerstag in Berlin.

dpa BERLIN. Die Gasversorgung beruhe auf langfristigen Verträgen, und der Erdgaspreis sei an den Ölpreis gekoppelt. Auch gebe es keine Überkapazitäten wie beim Strom. Auf dem bereits seit 1998 liberalisierten Strommarkt mussten nach einem euphorischen Start etliche neue Anbieter wieder aufgeben. Dies lag auch an der Blockadehaltung der jeweiligen Ex-Monopolisten bei den Netzgebühren.

Auch unter den knapp 17 Mill. Gas-Haushaltskunden, die eigentlich bereits seit vier Monaten frei ihren Versorgern wählen können, hält sich die Wechselbereitschaft in Grenzen. "Es müssen sich Händler finden, die das Geschäft mit Haushaltskunden auch profitabel betreiben", sagte BGW-Präsident Manfred Scholle. Im Gasgeschäft würden die angestrebten Margen nur über die Menge erreicht.

Für das laufende Jahr geht der BGW davon aus, dass die Gaspreise "vermutlich nicht mehr steigen". "Wenn sich überhaupt etwas bewegt dann nach unten", sagte Scholle, der Vorstandschef der RWE Gas AG (Dortmund) ist. Voraussetzung sei aber, dass sich "international nichts Frappierendes ändert", sagte er unter Hinweis auf die Ölpreisentwicklung. Nach einem seit Herbst anhaltenden Rückgang bewege sich der Gaspreis inzwischen auf dem Niveau des Jahres 2000.

Industriekunden können bereits länger unter den rund 700 Gasversorgern in Deutschland auswählen. Bis September 2001 wurden nach BGW-Angaben mehr als 500 Durchleitungsanträge gestellt, vereinbart wurde die Nutzung fremder Netze dann in etwa 70 Fällen. Kleine Gewerbekunden müssen dagegen weiter warten, da das so genannte Lastenprofil mit dem typischen Abnahmeverhalten noch in Arbeit ist.

Die zweite Verbändevereinbarung Gas, die den freien Netzzugang regelt und die nach mehreren gescheiterten Versuchen an diesem Freitag endgültig unterzeichnet werden soll, werde den Wettbewerb sicher forcieren. Nach Darstellung Scholle stand die Branche aber auch ohne die Durchlass-Regeln im Wettbewerb, etwa mit anderen Energieträgern oder auch untereinander.

Die von der Europäischen Union diskutierte Trennung von Netz und Betrieb lehnt der BGW ab. "Dies käme de facto einer Enteignung der rund 700 Versorger gleich", sagte Scholle. Scholle erwartet in der Branche mit rund 36 000 Beschäftigten wegen des Konkurrenzdrucks einen weiteren Stellenabbau, ohne dies näher zu beziffern. Eine Börse wie auf dem Strommarkt dürfte es bei Gas angesichts fehlender Überschüsse auf absehbare Zeit nicht geben.

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