Keine Gründe für nachhaltigen Kauf
Deutsche Aktien tendieren schwach

Kursverluste auf breiter Front haben am Freitag den Dax nach einer freundlichen Tendenz am Donnerstag wieder deutlich ins Minus gedrückt. Vor allem Indexschwergewicht Deutsche Telekom lastete mit Kursabschlägen von zeitweise knapp 5 % auf dem Gesamtmarkt.

rtr FRANKFURT. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, dass die Chancen für den Kabelverkauf an Liberty Media schlecht stünden. Zudem sagte Konzern-Chef Ron Sommer, dass eine Verschiebung des Börsenganges der Mobilfunktochter T-Mobile über das Jahr 2002 hinaus nicht ausgeschlossen werden könne. An den Plänen für einen möglichen Börsengang für Juni oder Oktober/November werde aber festgehalten.

Mit Blick auf den Gesamtmarkt sagten Händler, dass Anleger nach der freundlichen Tendenz vom Donnerstag vor dem Wochenende Gewinne mitnähmen. Schwächer präsentierten sich auch die Aktien der Deutschen Post, was Marktteilnehmer auf einen Zeitungsbericht zurückführten, wonach dem Konzern Steuerrückzahlungen in Milliardenhöhe drohen.

Der Dax notierte am Vormittag bei 4748 Punkten mehr als zwei Prozent unter seinem Vortagesschluss, nachdem er am Donnerstag noch einen Gewinn von rund 1,5 % mit aus dem Handel genommen hatte. Am Neuen Markt revidierte der Nemax50 seine Vortagesentwicklung ebenfalls und gab um 2,2 % auf 955 Zähler nach. Der MDax fiel um 0,5 % auf 4314 Punkte.

"Der Anstieg gestern war rein technischer Natur, aber nicht fundamental", sagte Florian Weber, Aktienhändler beim Börsenmakler Schnigge. "Es gibt derzeit einfach keine Gründe, die Anleger überzeugen könnten, Aktien nachhaltig zu kaufen." Marktteilnehmer gingen sogar davon aus, dass der Markt noch weiter zurückgehen würde. "Die Leute sagen sich, solange wir nicht auf 4600 bis 4500 Punkte zurückfallen, kaufe ich nicht", sagte Weber. Fundamentale Gründe seien erst gegeben, wenn die Unternehmensgewinne wieder anziehen würden. "Aber das kann noch ein paar Monate dauern."

Die leicht bessere Marktstimmung, die sich am Donnerstag abgezeichnet hatte, wurde Händlern zufolge durch die enttäuschenden Nachrichten von Intel wieder getrübt. Die Banc of Amerika hatte die Gewinnprognose für den weltgrößten Chiphersteller reduziert. Daraufhin waren die Kurse nach deutschem Handelsschluss noch weiter ins Minus gerutscht. Vor allem die Technologiebörse verlor im späten Handelsverlauf mehr als zwei Prozent und schloss mit einem Abschlag von 3,34 % bei 1716 Punkten. Der Standardwerte-Index Dow Jones verlor 1,07 % auf 9834 Punkte.

Größter Verlierer unter den Dax-Werten waren die Aktien der Deutschen Telekom, die um 4,7 % auf 15,15 ? fielen. Zuvor hatte der Vorstandschef der Deutschen Telekom Ron Sommer gesagt, dass die Chancen für einen Verkauf seines regionalen Kabelnetzes an den US-Konzern Liberty Media "sehr gering" seien. Zudem könne er eine Verschiebung des Börsengangs der Mobilfunktochter T-Mobile über 2002 hinaus nicht ausschließen. "Der Liberty-Deal ist nun so gut wie unmöglich, obwohl man alles versucht hat und natürlich enttäuscht die Anleger auch, dass T-Mobile in diesem Jahr nicht mehr an die Börse kommt", sagte ein Händler mit Blick auf die Kursabschläge. "Man hatte den Börsengang zwar schon zweimal verschoben, aber man rechnete damit, dass er in diesem Jahr kommt."

Die Verluste an der Nasdaq drückten auch auf die deutschen Tech-Werte. Infineon büßten 3,2 % auf 23,68 ? ein, Siemens gaben um 2,8 % auf 63,17 ?, Epcos verloren 2,5 % auf 40,24 ?.

Um 2,4 % auf 14,49 ? gab auch die neben der Telekom zweite deutsche Volksaktie Deutsche Post nach. Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge drohen der Deutschen Post AG Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe. Danach wollen die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen von dem Unternehmen fast eine Milliarde Euro für nicht abgeführte Mehrwertsteuer in den Jahren 1998 und 1999 verlangen. "Eine Milliarde Euro ist schon eine enorme Belastung für das Unternehmen", sagte ein Händler mit Blick auf die Kursabschläge. Nach einem Medienbericht um einen auf den deutschen Markt drängenden Billig-Wettbewerber sind die im MDax notierten Stammaktien des Autovermieters Sixt am Freitag um mehr als acht Prozent auf 13,75 ? gefallen. "Das könnte zu einem Kunden- und damit auch Umsatzverlust führen", sagte ein Aktienhändler.

Heidelberger Zement gaben um 0,3 % auf 51,50 ? nach. Das Unternehmen hatte am Morgen Geschäftszahlen vorgelegt.

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