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Keine gute Zeit für Börsengänge: TUI verzichtet für Hapag-Lloyd

Nach bereits drei geplatzten Börsengängen 2004 verzichtet jetzt auch TUI AG darauf, ihre attraktive Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd auf den Kapitalmarkt zu bringen. Angesichts der Übernahmegerüchte um die Hapag-Lloyd Mutter und einer wochenlangen Zitterpartie um deren Verbleib im DAX nutzte TUI- Vorstandschef Michael Frenzel die Absage zugleich für eine Demonstration der eigenen Stärke. Aus wirtschaftlichen Gründen benötige man die Börse nicht. Und auch mit anderen Investoren gebe es keine Gespräche - ungeachtet des vielfachen Interesse anderer Firmen: "Schöne Bräute werden halt umworben."

dpa-afx HAMBURG/HANNOVER. Nach bereits drei geplatzten Börsengängen 2004 verzichtet jetzt auch TUI AG darauf, ihre attraktive Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd auf den Kapitalmarkt zu bringen. Angesichts der Übernahmegerüchte um die Hapag-Lloyd Mutter und einer wochenlangen Zitterpartie um deren Verbleib im DAX nutzte TUI - Vorstandschef Michael Frenzel die Absage zugleich für eine Demonstration der eigenen Stärke. Aus wirtschaftlichen Gründen benötige man die Börse nicht. Und auch mit anderen Investoren gebe es keine Gespräche - ungeachtet des vielfachen Interesse anderer Firmen: "Schöne Bräute werden halt umworben."

Der einzige Grund für die Absage sei die Situation auf dem Finanzmarkt, versichert TUI. Die Erfahrungen mit der Postbank , deren Mutter Deutsche Post herbe Abstriche gegenüber dem erwarteten Erlös hinnehmen musste, hätten dann endgültig gezeigt, dass die Nachfrage nicht mehr da sei. "Wir müssen unsere Werte schützen, wir dürfen sie nicht verschenken", sagt Frenzel. Das habe "mit dem DAX-Thema" nichts zu tun und auch nichts mit Übernahmespekulationen oder dem angekündigten Verkauf der 31-Prozent-Beteiligung der Westlb an TUI.

Börsengang Nicht ZUR Entschuldung Nötig

Erst am vorigen Freitag hatte die Deutsche Börsex bekannt gegeben, dass Europas größtem Reisekonzern der Abstieg aus der Börsen- Bundesliga DAX erspart bleiben werde. Beobachter spekulierten, dass Frenzel aus Gründen der Kurspflege diese Entscheidung abwarten wollte, bevor er den Börsengang absagte. Allerdings hatte der TUI - Chef schon Ende Juli erklärt, die TUI benötige zur Entschuldung keinen Börsengang der Hapag-Lloyd. Damit wurden immerhin bereits Gerüchte genährt, dass schon seinerzeit an eine Absage gedacht war.

Jetzt setzt der Reisekonzern auf das nach Terror, Katastrophen und Seuchen wieder anziehende Geschäft im Kernbereich Reisen: Der Sommer sei sehr gut gebucht, die Entwicklung sehr positiv und die Herbstmonate sogar sehr viel stärker gefragt als im Vorjahr. Die jüngsten Halbjahreszahlen gaben dem TUI-Chef recht.

Verschuldung Soll WIE Geplant Zurückgeführt Werden

TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake gibt sich überzeugt, dass die TUI auch ohne Börsengang ihre Verschuldung bis Ende 2005 wie geplant unter zwei Mrd. ? zurückführen wird. Auch Hapag Lloyd-Chef Michael Behrendt sagt, der Erfolg von Hapag Lloyd sei nicht von einem Börsengang abhängig. Er hofft zugleich, dass mit dem klaren Bekenntnis von TUI zu ihrer Schifffahrtstochter auch die Spekulationen um einen Verkauf beendet werden.

Die Gefahr einer feindlichen Übernahme des Konzerns, die die TUI monatelang in Atem gehalten hatte, sieht Frenzel zumindest nicht mehr so groß wie vor sechs Wochen. Der Aktienkurs sei gestiegen und damit auch die Hürden höher. Er sehe auch keine Anzeichen für neuerliche "unfreundliche Aktionen" an der Börse. Und in Sachen Westlb fühle man sich "fair" in das Geschehen einbezogen und erwarte eine "vernünftige Eigentümerstruktur". Die Westlb hatte versichert, man wolle die Anteile in "verantwortungsvolle Hände" abgeben. Im Zusammenhang mit den Übernahmegerüchten war immer wieder auch spekuliert worden, dass die potenziellen Käufer es vor allem auf die TUI-Ertragsperle Hapag Lloyd - abgesehen hätten.

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