Keine Handlungsempfehlung an Aktionäre
Wella-Vorstand nimmt P&G-Angebot an

Der Vorstand der Wella AG hat das Übernahmeangebot des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble als angemessen bezeichnet und damit seinen anfänglichen Widerstand gegen die Offerte endgültig aufgegeben.

Reuters DARMSTADT. Vorstand und Aufsichtsrat des Darmstädter Haarpflegekonzerns teilten am Freitag auch mit, die P&G-Offerte für ihre eigenen Aktien anzunehmen. Zugleich betonten beide Gremien jedoch, ihre Stellungnahmen seien keine Handlungsempfehlung an die Aktionäre, das Übernahmeangebot zu akzeptieren oder abzulehnen. Dies müssten die Anteilseigner in Eigenverantwortung entscheiden. Die Arbeitnehmervertreter äußerten indes die Sorge, dass es im Zuge der Übernahme zu einem Personalabbau kommen kann.

P&G hatte vor einigen Wochen in einem überraschenden Schritt den Wella-Eigentümerfamilien ihre Stammaktien für 92,25 ? je Stück abgekauft und damit 78 % der Stimmrechte an der Firma erworben. Zugleich bot der US-Konzern den außenstehenden Vorzugsaktionären zunächst 61,50 ? für ihre stimmrechtslosen Anteile, stockte diese Offerte nach Kritik der Vorzugsaktionäre jedoch auf 65 ? auf. Der Vorstand hatte den P&G-Vorstoß in einer ersten Reaktion als nicht notwendig bezeichnet und sich über den hohen Unterschied der beiden Gebote enttäuscht gezeigt.

Die von P&G nachgebesserte Offerte von 65 ? je Vorzug entspreche den gesetzlichen Mindestanforderungen und liege auch im Rahmen verschiedener Bewertungsmethoden, kommentierte der Vorstand, der seinen Blick nach vorne richtete: Wella könne im Zuge der Übernahme einen großen Beitrag zur Positionierung der neuen Gruppe leisten. Die Phase der Unsicherheit bei Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeitern müsse nun rasch beendet werden. Auch der Aufsichtsrat verwies auf die strategischen Vorteile der Übernahme: "Die Partnerschaft mit P&G als neuem strategischen Großaktionär eröffnet für die Wella AG Möglichkeiten, ihre Stellung in den Kernmärkten auszubauen."

Der Vorstand teilte auch mit, dass sein Vorsitzender Heiner Gürtler unter anderem die weltweite Verantwortung für das Friseurgeschäft in der neuen P&G-Gruppe wahrnehmen und zudem in das so genannte Global Leadership Council des US-Konzerns aufgenommen werden solle. Auch habe P&G "großes Interesse" bekundet, mit den jetzigen Wella-Vorständen weiter zusammen zu arbeiten. Wie es weiter hieß, soll der Aufsichtsrat weiter zwölf Mitglieder fassen, wobei P&G künftig die Hälfte der Vertreter stellen will. Die im Aufsichtsrat vertretenen Familienaktionäre verpflichteten sich, ihre Ämter niederzulegen.

In ihren Stellungnahmen gingen Vorstand und Aufsichtsrat detailliert auf die Angebote sowie auf die Konsequenzen für die Aktionäre bei Annahme oder Ablehnung der Offerte ein. Auch hieß es, dass P&G sich in den Angebotsunterlagen ausdrücklich die Möglichkeit vorbehalten habe, Wella von der Börse zu nehmen ("Delisting"), wenn die notwendige Mehrheit an dem Unternehmen erreicht werde. P&G kann etwaige Minderheitsaktionäre auslösen, sobald der US-Konzern 95 % des Kapitals der Firma hält.

Procter & Gamble will den Stellungnahmen zufolge wie erwartet die Zentrale und das Forschungszentrum von Wella in Darmstadt bestehen lassen. "Nach Angaben in der Angebotsunterlage bestehen derzeit keine Absichten der Bieterin hinsichtlich anderer Standorte und sonstiger wesentlicher Unternehmensteile der Wella AG." Allerdings könne eine Integration der Wella AG in den P&G-Konzern nicht ausgeschlossen werden, womit der Umbau oder die Aufgabe von Geschäftsbereichen beziehungsweise Standorten verbunden sein könnte, hieß es.

Auch der Konzern- und Gesamtbetriebsrat von Wella schlug in seiner Stellungnahme deutlich moderatere Töne gegenüber der P&G-Übernahme an als bisher. Es sei zu begrüßen, dass P&G die Stärken von Wella nutzen und in das Darmstädter Unternehmen investieren wolle. Allerdings seien die Auswirkungen der angestrebten Synergieeffekte mit Blick auf die Arbeitsplätze bedenklich, hieß es zugleich.

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