Keine Hilfe von Bertelsmann und Berlusconi
Kirch hofft auf Einstieg der Autokonzerne

Um sich aus der Schuldenfalle zu befreien, will die mit 6,5 Mrd. Euro verschuldete Kirch-Gruppe Teile der Formel 1 an die Autokonzerne verkaufen.

HB DÜSSELDORF. "Wir sind offen für neue Investoren bei der SLEC", sagte gestern ein Konzernsprecher zur Zukunft der Formel-1-Gesellschaft, die Kirch zu 58 % gehört. Die restlichen Anteile gehören Rennzirkus-Organisator Bernie Ecclestone.

Ein großer Teil der Einnahmen aus den Formel-1-Fernsehrechten fließt jedoch weder Kirch noch Ecclestone zu, sondern geht an die Formula One Finance. Diese Zweckgesellschaft wurde 1999 von der Formula One gegründet, hinter der die SLEC steht. Die Einnahmen dienen dazu, eine Anleihe zu besichern, die 1999 begeben wurde und 2010 fällig wird. Der Bond wurde aber vom Markt nicht wie erwartet angenommen. Die West LB als Konsortialführer musste einen großen Teil der Anleihe in ihre Bücher nehmen. Sie sitzt laut Bankenkreisen auch heute noch auf einem Anteil von etwa 500 Mill. $.

Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler-Chrysler reagierte gestern auf das Interesse von Kirch, die Formel 1 zu verkaufen, zurückhaltend. "Es besteht derzeit kein Anlass für Gespräche", sagte Vorstand Jürgen Hubbert an die Adresse von Kirch und Ecclestone auf der Bilanzpressekonferenz. Er fügte jedoch hinzu: "Aber ich schließe nicht aus, dass uns in der Zukunft Angebote gemacht werden." Bei Daimler-Chrysler hieß es, man verfolge die Situation bei Kirch mit Interesse.

Aus Verärgerung über die Kirch-Dominanz bei der für die Autobranche wichtigen Formel 1 erwägen die Autokonzerne, ab 2008 eine eigene Grand-Prix-Serie aufziehen. Kirch hatte die Mehrheit an der Formel 1 im vergangenen Jahr für 1,6 Mrd. $ über den Filmrechthändler EM.TV übernommen - gegen den Willen von Ecclestone und den Herstellern. Die Rechte scheinen aber zu teuer eingekauft worden zu sein. Nach Informationen des Wall Street Journal beläuft sich der Wert des Rennzirkus derzeit nur noch 800 Mill. Euro.

Die anhaltende Spekulationen, dass Bertelsmann der Profiteur der Kirch-Krise sein könnte, wurde vom Gütersloher Medienkonzern eindeutig dementiert. "Bertelsmann hat überhaupt kein Interesse an Assets aus der Kirch-Gruppe", sagte Vorstandschef Thomas Middelhoff nach Wochen langem Schweigen dem Handelsblatt. Middelhoff und Rupert Murdoch hatten am Dienstag im gleichen Hotel in Berlin gewohnt. Middelhoff soll mit Murdoch gesprochen, heißt es in Branchenkreisen.

Murdoch soll in Berlin am Dienstag mit Banken und Medienunternehmern über die Übernahme des defizitären Bezahlsenders Premiere verhandelt haben. Der australische Tycoon ist mit 22 % am Pay-TV beteiligt. Leo Kirch, der sich auch in Berlin aufhielt, hat nicht an der Runde teilgenommen. "Es gibt keine Gespräche mit Murdoch", bestätigte ein Kirch-Sprecher. Bertelsmann dementierte jegliches Interesse am Bezahlfernsehen.

Auf Hilfe seines langjährigen Partners, des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kann Kirch nicht mehr hoffen. Fedele Confalonieri, Chef von Berlusconis Medienholding Mediaset, hat unmissverständlich klar gemacht, sich nicht an Rettungsaktionen beteiligen zu wollen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%